Setsubun – von Dämonen und Bohnen

Am 3. Februar war Setsubun, der offizielle Wechsel vom Winter zum Frühjahr (okay, das Wetter hält sich nicht daran – mindestens die ganze Woche wird es wohl noch kalt bleiben und große Teile Japans haben weiterhin mit Schneemassen zu kämpfen). Das Wort „Setsubun“ ist inzwischen vor allem üblich für diesen Jahreszeitenwechsel Anfang des Jahres (obwohl eigentlich neutral und für alle späteren Wechsel im Jahr verwendbar) – vermutlich  weil sich alle nach der Wärme des Frühjahrs sehnen. Der korrekte Name ist Risshun für den Frühlingsbeginn.

An Setsubun werden die Oni (Dämonen, gibt es vor allem in rot, aber auch in blauer bzw. grüner Variante) mit Rufen „Oni wa soto! Fuku wa uchi!“ (Dämonen hinaus! Glück hinein!) und dem Werfen von Bohnen (geröstete Soja-Bohnen) vertrieben. Auch kleine gegrillte Sardinenköpfe und Stechpalmenblätter sind für die Dämonenabwehr gut geeignet und werden zu der Zeit als Schmuck im Haus verwendet.

Aus Westjapan kommt dazu die Tradition, in die in dem Jahr glückliche Richtung (dieses Jahr Südsüdost) gewandt eine besonders lange, sogenannte Ehomaki (Futomaki-Rolle mit besonderen Zutaten) ungeschnitten zu essen.

All diese Elemente und noch einige mehr konnte ich am Sonntag (4. Februar) bei einer Teezeremonie-Veranstaltung erleben. Ich war eingeladen zu einer Teezeremonie im Hause der Teemeisterin einer Bekannten, die Sencha-Temae (also die Zubereitung von aufgebrühtem Tee) lernt. Bei Sencha-Teezeremonien scheint der Schmuck viel ausgelassener als bei unseren Veranstaltungen. Da auch viele Teegerätschaften viel kleiner sind, wirkt es alles niedlich.

 

 

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Aikido

Udo war kaum weg, da kam auch schon Andy mit seiner Familie und testete mal die Kapazitäten einer Wohnung aus bzw. sie zwängten sich zu fünft in meine drei Gästezimmer. Das ist es mit einem Gäste-Badezimmer und einem Gäste-WC schon eine organisatorische Herausforderung, während ich mein eigenes Bad habe. Insgesamt klappte es aber gut und mir hatte es Spaß gemacht. Okay, ich musste arbeiten, habe aber doch von den Erfahrungen profitiert und außerdem haben wir ja den gemeinsamen Ausflug nach Iwama zum Aiki-Jinja (Schrein) gemacht. Es war der einzige richtige Regentag und wir wurden – trotz Regenschirmen – auch alle plitschnass (zumindest die Füße). Na ja, es kann ja auch nicht angehen, dass Regenzeit ist und es nicht regnet bzw. nur regnet, wenn sie gerade in Kyoto oder so unterwegs sind.

Dank Andy stand also Aikido im Monat Juni im Mittelpunkt (und meine Vorbereitungen für meine Japanisch-Prüfung Anfang Juli). Andy nutzte gleich am ersten Samstag die Gelegenheit und ging mit mir zu meinem neuen Verein „Fureaijuku“ zu Sensei Ishibashi (der mich übrigens nicht nur wegen seiner kräftigen Handgelenke und seiner freundlichen, offenen und herzlichen Art sehr an Eckart erinnert). Es stand Schwert auf dem Plan. Eigentlich ja nicht so mein Fall bisher, aber hier war es anders. Uns wurden allerdings auch sehr hochrangige Schüler zur Betreuung abgestellt, sonst hätten wir uns nur schwer zurecht gefunden. Es war ein gutes Training, anschließend gingen wir dann mit der Gruppe in eine Izakaya, um den Flüssigkeitshaushalt wieder auszugleichen und etwas zu essen. Es wurde ein toller Abend. Wir hatten viel Spaß und ich durfte mich wieder als Übersetzer versuchen. Andy hatte es so gut gefallen, dass er seinen Kyoto-Aufenthalt etwas kürzte, um dann in der Folgewoche wieder mit dabei zu sein – dieses Mal ohne Waffen. Es war wieder genial, so locker, ohne Kraft und doch so wirksam, dabei setzt er auch nur die Grundprinzipien ein, die wir auch kennen und denken, dass wir sie verwenden – da kann ich noch viel lernen. Wie in der Woche zuvor: 2 Stunden Training, gefolgt von ca. 3 Stunden Izakaya – tolle Gruppe. Auch nochmals am Abend vor seiner Abreise war Andy mit bei dem Verein. Dieses Mal hielt einer der Schüler den ersten Teil des Unterrichts und der Eindruck war wie in der Woche zuvor: Nichts grundlegend anders, aber durch die Berücksichtigung von Kleinigkeiten sehr überzeugend.

Andy radelte mit mir auch an einigen Morgen mit ins Frühtraining, d. h. 5:30 Aufstehen und dann um 5:40 Uhr aufs Fahrrad (5 Minuten extra eingeplant, da ich ja mit dem kleinen Rad fahren musste). Er schaute beim Training des Doshu zu. Schade, dass er nicht mittrainieren konnte. Aber ohne diese Regel, dass nur noch Aikikai-Mitglieder im Honbu-Dojo mittrainieren dürfen, hätten wir uns nie auf die Suche nach einem anderen Verein gemacht und folglich viel verpasst.

Ich war inzwischen natürlich auch wieder beim nächsten Schwerttraining. Dieses Mal hatten sie die Gruppe geteilt. In der Anfängergruppe haben wir erst einmal ein paar Grundlagen gelernt und es überzeugte mich wieder sehr. Wegen des Samstagstraining beim Fureaijuku gehe ich nun samstags nicht mehr ins Honbu-Dojo, obwohl ich den Trainer am Samstag Nachmittag und Abend auch sehr mag. Meine üblichen Trainings unter der Woche sind nun Montag früh (6:30 – 7:30 Uhr), Dienstag spät (19:00 – 20:00 Uhr) und Freitag früh – ggf. auch mal Mittwoch früh oder ein anderes Spättraining, wenn ich sonst verhindert bin.

Und sonst? Außer Japanischlernen (vor allem wegen der Prüfung), Teezeremonie und Arbeit hatte ich es Anfang Juni noch in eine Sonderausstellung mit Teezermonie-Utensilien geschafft und an dem ersten Wochenende mit Andy und seiner Familie war ich nach dem gemeinsam Besuch des Meiji-Schreins noch in dessen Garten, um mir die Irisblüte anzuschauen; auch die Seerosen waren sehr schön …

Die ersten Tage in Japan – Update

22.10.2015

Motiviert durch meinen Erfolg auf der Führerscheinstelle hatte ich gleich am nächsten Tag versucht, ein Konto bei der Citi Bank zu eröffnen. Na ja, das war nur mäßig erfolgreich, aber immerhin haben sie den Antrag angenommen und mit dem zusätzlichen Bestätigungsschreiben der Botschaft sollte es nun bald funktionieren. An der Wohnungsfront sieht es gut aus. Am Montag habe ich den Mietvertrag unterschrieben und kann so langsam an den Einzug denken. Mein Container soll am 5. November ankommen, dann muss er noch durch den Zoll und so plane ich momentan, dass ich am 12. oder 13.
November einziehen werde. Die neue Wohnung liegt im Stadtteil Shibuya, etwa
10 min. zu Fuß zu diversen U-Bahnlinien und ich muss auf dem Weg zur Arbeit nicht umsteigen (und auch der Weg ins Dojo ist kürzer :-). Statt eines großen Gästezimmers und eines Teezimmers im Garten werde ich nun drei kleine Gästezimmer und einen Balkon haben. Es ist eine große Wohnung in einem Haus mit insgesamt 3 Stockwerken und 5 Mietparteien.

Dienstlich war ich in den letzten beiden Wochen ziemlich im Stress, da ich viele Termine wahrzunehmen hatte. Das große Highlight war natürlich die Amtswechselfeier (siehe dazu Bericht und Fotos auf der Website der
Bundesbank) und auch einen Abend später das Abendessen in kleinerem Kreis in der Residenz des Botschafters zur Verleihung eines Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland an den Vize-Governeur der Bank of Japan. Am Freitag Morgen flogen wir dann mit unserem Vorstandsmitglied nach Seoul, denn Korea gehört ja mit zu unserem Zuständigkeitsbereich. Da wir erst am Samstag Abend nach Tokyo zurückkehrten, war es ein sehr kurzes Wochenende.
Diese Woche standen wieder diverse (Abend-)termine an sowie auch ein Termin mit dem Finanzausschuss des Deutschen Bundestages. Mir wird also nicht langweilig und ich habe es noch nicht geschafft, mich wieder beim Honbu-Dojo anzumelden. Dies steht für Samstag auf dem Plan und dann werde ich auch endlich wieder Aikido trainieren können (spätestens ab November, denn in der nächsten Woche ist auch fast jeder Abend schon verplant).

Da am 19.10. ein Feiertag war, besuchte ich einen sehr schönen Park in Yokohama und ein Freundin von früher. Wir gingen dann noch zu Japans größtem Oktoberfest in Yokohama und tranken bayrisches Bier. Mal abgesehen von einem Sonntag hatte ich bislang immer gutes bis sehr gutes Wetter, fast jeden Tag klettern die Temperaturen etwas über 20 Grad, also morgens etwas frischer und dann tagsüber schön warm ohne die Schwüle des Sommers. Also
vormerken: Oktober ist ein guter Reisemonat für Japan (sofern man nicht in den Norden reisen möchte, denn da ist es jetzt auch schon deutlich kälter, mit Schnee in den Bergen auf Hokkaido).

Beste Grüße an alle,

Gudrun

Die ersten Tage in Tokyo

13.10.2015

Hallo zusammen,

letzte Woche bin ich gut in Tokyo angekommen und inzwischen ist mein Kalender auch schon ordentlich gefüllt. Am Freitag war großes Fest im Garten der Residenz des Botschafters, war wirklich schön. Am Wochenende hatte ich die DAAD-Stipendiaten zu einer kleinen Willkommens-Brotzeit zu Besuch bei mir.

Einige hatten es ggf. noch mitbekommen, dass ich am Montag vor meiner Abreise eine eMail erhalten hatte, dass mein Mietvertrag für die Wohnung mit Teezimmer und Garten nicht zustande kommen wird. Solch kurzfristige Absagen sind äußerst ungewöhnlich in Japan. Na ja, ich musste nun erneut nach einer Wohnung suchen. Ich schaute mir nur wenige an, denn glücklicherweise war eine der anderen beiden Wohnungen, die ich im August auf meiner Top3-Shortlist hatte und die damals noch renoviert wurde, noch nicht vergeben. Diese Wohnung in der Nähe von Shibuya werde ich nun wohl mieten. Die Adresse verschicke ich, sobald ich den Mietvertrag unterzeichnet habe.

Heute war ich auf der Führerscheinstelle und nach weniger als 5 Stunden hatte ich dann das begehrte Dokument, das ich für Kontoeröffnung etc.
benötige (mein Diplomatenpass verursacht nur Verwirrung). Mein Kollege hatte dafür 8 Stunden gebraucht! Sie machen es hier in Japan sehr gründlich und darin eingeschlossen sind zwei Fotoshootings und ein Fitnessprogramm, denn nach längeren Wartezeiten wird man immer mal wieder von einem Stockwerk zum anderen geschickt, um weitere Schritte im Prozess abzuarbeiten.

Gudrun

Komm-bald-wieder-Lehrgang 13.9.2015 – Time to Say Goodbye, Verabschiedung von Gudrun nach Japan

Gruppenfoto

Jetzt ist es bald soweit und Gudrun wird Japanerin auf Zeit –

Die Bundesbank schickt sie für 3 Jahre nach Tokio, wo sie bereits eine schöne Wohnung für sich gefunden hat und mit einem eigenen Teeraum, sich auch ihrem zweiten Hobby der japanischen Teezeremonie widmen kann. Da wir alle Gudrun als Mensch und Aikidoka sehr schätzen, war die Idee als wir von ihrer Versetzung erfuhren, zu einem „Komm-bald -wieder-Lehrgang “ nahe liegend und dieser wurde für den 13.9. – also kurz vor Gudruns Abreise angesetzt.

Plakat 09_2015 LL Abschied Gudrun_2_400x566

Kein offizieller Lehrgang und trotzdem hatten sich 35 Aikidokas aller Graduierungen aus dem gesamten Rhein-Main-Gebiet auf der Matte versammelt um an diesem Sonntag noch einmal gemeinsam mit Gudrun nach Anleitung von Eckhard Reschke, 2.Dan zu trainieren. Eckhard Reschke hat als Schüler von Ivan Antonietti, 4. Dan, sich ein großes Repertoire an Stocktechniken angeeignet, an denen er uns an diesem Sonntag teilhaben ließ. Die Führung des Uke mit dem Stock als Verlängerung des eigenen Arms ist eine Herausforderung und Eckhard zeigte uns dazu verschiedene Stocktechniken, die beispielsweise Namen wie Fahnenschwenker oder Gondoliere tragen. Die Art und Weise, wie der Uke mit dem Stock geführt wird, hat diesen Techniken ihre Namen gegeben. Arbeiten mit dem Stock erfordert viel Konzentration und Geduld bis die Bewegungen flüssig werden und das Timing stimmt. Aber gerade diese Herausforderung hat allen viel Spaß gemacht und Gudrun, die sich von Eckhard die Stocktechniken gewünscht hatte, nochmal einen schönen Lehrgang mit uns allen beschert.

Damit Gudrun uns nicht ganz vergisst, gab es auch ein Abschiedsgeschenk – ein Kindle, damit ihr der Lesestoff nie ausgeht und sie ihn in kleinem Format bei sich hat.

Liebe Gudrun – alles Gute und wir freuen uns, wenn Du bei Besuchen in Deutschland auch hier bei uns vorbeikommst zum Trainieren oder einfach auch zum Erzählen…

Carola Möhring