Hinter den sieben Bergen …

Okay, es können auch acht oder so sein, aber ich war in der Tat in einer märchenhaften Landschaft. Von Maibara (oder Kyoto – ist besser bekannt) kommend, fährt der Zug erst entlang des Biwa-ko (größter Binnensee Japans) und dann durch viele Tunnel. Ich stieg an einem Sonntag in Takefu aus, brachte das Gepäck zur Unterkunft, aß etwas zum Mittag und machte mich gleich auf den Weg. Mit dem Regionalzug fuhr ich in die nächste Ortschaft, die für die Brillenherstellung bekannt ist. Ziel für den Nachmittag war das Lackarbeitsdorf, also eine Ansiedelung einiger Meister der Lackkunst. In der zentrale Ausstellungshalle gibt es Teile für den täglichen Gebrauch ebenso wie wertvolle Kunstwerke. Ich kaufte nur Kleinigkeiten und schaute mir die Sonderausstellung an. Da der nächste Bus erst in knapp 1 1/2 Stunden gefahren wäre, bin ich zu Fuß zum Bahnhof zurück, gut acht Kilometer. Es war jeden Schritt wert, denn so konnte ich diese Landschaft wirklich genießen. Zudem war es angenehm warm.

Wenn man in Japan aufs Land fährt, ist man immer mal von der Natur überwältigt, aber hier kommt noch hinzu, dass auch die Kulturlandschaft sich so harmonisch einfügt. In den Dörfern oder Teilen der über mehrere Täler verteilten Gemeinde herrschen die traditionellen Dachformen vor. Nicht mehr alle Häuser sind aus traditionellen Baustoffen, aber es gibt kaum die sonst so weit verbreiteten viereckigen Betonklötze. Die Anzahl der Fachwerkhäuser ist enorm und doch wirkt es nicht wie ein Besuch im Museumsdorf. Die Menschen arbeiten und leben hier und nutzen moderne Maschinen etc. Meine Augen empfanden die Natur und Architektur als sehr angenehm.

 

Für den Montag (ein Feiertag) hatte ich den Termin mit dem  Töpfermeister Yamada, Kazu. Seine Frau holte mich um 10:00 Uhr ab und wir fuhren ins gut zwölf Kilometer entfernte Töpferdorf. Ich wurde nett empfangen, durfte mir die Brennöfen vom Meister und von seinem Sohn anschauen. Wir gingen ins Töpferei-Museum Echizen und sie fuhren mit mir sogar noch ins „Washi (japanisches geschöpftes Papier)-Dorf“. Zum Abendessen bekochte uns der Sohn Yamada, der mit seiner Frau und beiden kleinen Töchtern im Nachbarhaus wohnt. Übrigens, das Haus des Meisters ist eines der typischen Echizen-Fachwerkhäuser, die vor ein paar Jahrzehnten im Töpferdorf wieder neu aufgebaut wurden, um Töpfer anzuwerben und quasi die Echizen-Töpfertradition wiederzubeleben. Das Abendessen im Kreis der Familie war sehr lecker. Der Sohn hatte den Fisch an dem Tag zum Teil selbst gefangen bzw. von Kollegen erhalten. Auch der jeweils passende japanische Reiswein war köstlich. Die Unterhaltung war nur auf Japanisch, aber es ging natürlich auch um die Zeit, als Yamadas einen Sommer lang dabei halfen, in Cismar (bei Lübeck) einen echten Anagama (japanischen Brennofen) für Jan Kollwitz zu bauen. Der Sohn war damals noch Grundschüler. Ein wirklich schöner Abend!

Am nächsten Tag hatte ich ja noch frei und ich wollte mir die Ortschaft Takefu ein wenig anschauen, aber Frau Yamada ließ es sich nehmen, mit mir einen Ausflug zu machen. So hatte ich die Gelegenheit, noch mehr von dieser traumhaften Gegend zu sehen. Auf dem Rückweg brachte sie mich zum Bahnhof nach Fukui, der Hauptstadt der gleichnamigen Präfektur.

 

Und sonst? Anfang September hatte meine Teemeisterin wieder eine größere eigene Teezeremonie veranstaltet. Dieses Mal in den beiden Teehäusern im Goto-Museum. Es war sehr heiß (insbesondere im Kimono), aber sonst war es eine tolle Veranstaltung. In dem Koicha (dicken Tee)-Zimmer wurden das Kaltwassergefäß und eine Teeschale von Jan Kollwitz verwendet. (Sobald ich Bilder von der Veranstaltung habe, stelle ich sie noch ein .) Von meiner Aikidogruppe in Togoshi nahmen Ishibashi-sensei und sechs weitere Aikidoka als Gäste teil. Für fast alle war es zum ersten Mal.

Nun bereiten wir uns auf unser Aikido-Embukai (Vorführung) anlässlich des 20jährigen Jubiläums vor. Die Veranstaltung wird am 13. Oktober stattfinden. Dann werden meine Nichte, mein Neffe und deren Cousine sowie Bettina und ihr Sohn (erwarten wir für Dienstag) wieder abgereist sein.

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Ein Gedanke zu “Hinter den sieben Bergen …

  1. Ich liebe Deine Reiseberichte. Hattest Du auch Gelegenheit dem Töpfermiester auf die Hände zu schauen und auch etwas Nettes zu erstehen? Wie sehen denn die Kunstwerke aus, die er herstellt?
    Klingt jedenfalls nach einem schönen Urlaub.
    Dann viel Spass mit Deinem Besuch, weiterhin alles Gute und geniesse das Leben dort.

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