Aikido Summer Camp & Nikko

Okay, die beiden Themen passen inhaltlich nicht wirklich zusammen, aber zeitlich folgten sie halt aufeinander.

Meine Nichte hatte ja im August ein Praktikum in Tokyo gemacht und nun machten wir an ihrem letzten Wochenende noch einen Tagesausflug nach Nikko. Mein letzter Besuch in Nikko liegt nun schon viele Jahre zurück und daher freute ich mich auch auf ein Wiedersehen. Etwas abschreckend ist die fast drei Stunden dauernde Anreise, aber es lohnt sich dann doch. Nikko liegt im Nordwesten Tokyos in den Bergen. Häufig ist es dort deutlich kälter als in Tokyo, aber an diesem Wochenende stiegen die Temperaturen auch in Nikko deutlich über 30 Grad. Das Schrein- und Tempelgelände ist glücklicherweise im Wald gelegen, so dass die Hitze erträglich war. Inzwischen sind die Renovierungsarbeiten am Toshogu-Schrein auch so weit fortgeschritten, dass man kaum noch beeinträchtigt wird. Die Farben sind wieder kräftig und so kommen alle Schnitzereien wieder besser zum Vorschein. Alles wirkte deutlich schöner als vor Jahren, wirklich beeindruckend. Ja, die schlafende Katze und die drei Affen haben wir auch gesehen. Nach dem Schreinbesuch sind wir vom westlichen Ausgang zum Fluss hinunter gegangen und hatten unserer Füße abgekühlt. Doch das Gebirgswasser ist so kalt, dass man es nicht lange aushalten kann. Die kleine Wanderung zu den Stromschnellen ist wirklich nett und war auch für mich das erste Mal.

Am vorhergehenden Wochenende fand das Aikido Summer Camp der Aikido-Gruppe in Togoshi um Ishibashi-sensei statt. Es ging wieder an einen Ort an der Westküste der Miura-Halbinsel (südwestlich von Tokyo und Yokohama, ca. 1,5 Stunden mit der Bahn). Vor Ort hatte es Yagi-sensei organisiert, denn er wohnt in der Nähe und hat den Kontakt zu einem Aikido-Meister dort. Wir nutzten die Budo-Trainingshalle der örtlichen weiterführenden Schule. Treffpunkt in Misakiguchi war am Samstag um 13:00 Uhr und dann ging es erst einmal zum Training – sehr heiß, denn solche Schulturnhallen sind natürlich nicht klimatisiert. Es gab aber zwei Ventilatoren und man konnte mehrere Türen öffnen. Trotzdem sehr heiß! Nach dem Training wurden wir dann zum Hotel gefahren. Ich teilte mir das Zimmer mit Sakai-san. Das Hotel liegt direkt am Meer und wird von vielen Wassersportlern (Tauchern und Stand-up-Paddlern) genutzt. Am Abend grillten wir gemeinsam, nicht nur Fleisch, auch Garnelen und Fisch (es gab auch reichlich Bier) –  später feierten wir dann weiter auf einem der Zimmer. Einige standen um 5:00 Uhr wieder auf, um zum lokalen Fischmarkt zu wandern und frischen Fisch zu frühstücken. Ich verzichtete, denn zum einen musste ich noch meine bereits abklingende Erkältung los werden und zum anderen war mir so früh nicht nach Fisch.  Um 10:00 Uhr begann dann die zweite Trainingseinheit – wieder sehr heiß und ein oder zwei Aikidoka waren noch nicht ganz so fit wie sonst. Die meisten machten auf dem Rückweg gleich nach einer Station einen Mittagsessens-Zwischenstopp an dem Küsten- und Strandort Miura-kaigan, denn die Gegend ist für den guten Thunfisch berühmt, den wir uns natürlich nicht entgehen lassen konnten. Wir kehrten also in ein Sushi-Restaurant ein.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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Sommerhitze

Nicht nur in Europa stöhnt man über einen ungewöhnlich heißen Sommer, auch hier in Japan ist es sehr heiß. Verglichen mit Norddeutschland allerdings deutlich nasser, sobald ein Taifun hereinzieht. Doch eins nach dem anderen.

Im Juni nutzte ich die freie Zeit neben Aikido-Training und Teezeremonie vor allem zum Japanischlernen, denn am 1. Juli war wieder mal eine Prüfung. Mitte Juni nahm ich an einem speziellen Teezeremonie-Unterricht für neue Teelehrer teil. Ich muss 5 Jahre in Folge einmal im Jahr jeweils einen Tag an dem Zentralunterricht (jedes Jahr ein anderes Thema) teilnehmen. Dabei kann ich mir den Ort und den Termin aussuchen. Da der Termin in Tokyo im Juli war, fuhr ich also nach Shizuoka. Nicht so weit weg, aber ich musst früh aufstehen, denn es dauert immer etwas länger, einen Kimono anzuziehen. Ich nahm den Schnellzug nach Shizuoka. Während in Tokyo mehrere Hundert Personen teilnehmen, ist es in Shizuoka geradezu beschaulich (ca. 80 Teilnehmer). Es waren nur wenige Personen von außerhalb und ich natürlich die einzige Ausländerin. Es war eine sehr schöne Veranstaltung: tolles Hotel, netter Zentrallehrer aus Kyoto und auch ein leckeres Mittagessen insgesamt ein toller Tag. Den Kimono für den Frühsommer (d. h. Juni) kann ich zum Glück auch im September anziehen (dann allerdings mit einem anderen Unterkimono und einem anderen Gürtel). Die Regenzeit (normalerweise: Mitte Juni bis Mitte Juli) fing – wie fast alles in diesem Jahr – sehr früh an, war in Tokyo nicht so schlimm und wurde bereits Ende Juni für beendet erklärt. Dafür kamen denn gleich Taifune.

Im Juli war ich im Heimaturlaub in Deutschland. So verpasste ich einige sehr starke, Taifun-bedingte Regenfälle (in Westjapan mit schweren Schäden). Überhaupt scheint es in diesem Jahr mehr Taifune zu geben. Morgen soll sich auch wieder Tokyo nähern bzw. nach Tokyo kommen. Wir werden nass werden …

Die Sommer in Tokyo sind heiß und deutlich schwüler als in Deutschland. Da es nachts kaum abkühlt, wäre es ohne Klimaanlage unerträglich. Im Training schwitzen wir so sehr, dass die Trainingstaschen nach dem Training deutlich schwerer als zuvor. Nächste Woche ist im Honbu-Dojo eine Woche Trainingspause, aber dafür kann ich mich auf ein Trainingswochenende mit der Gruppe von Ishibashi-sensei freuen. Wir werden ans Meer fahren, vielleicht kann ich dann auch mal im Meer oder zumindest im Pool schwimmen.

Am letzten Samstag war ich mit meiner Nichte, die derzeit in Praktikum in Tokyo macht, und zig-tausend Japanern und anderen Ausländern beim Feuerwerk am Edogawa (ein Fluß im Osten Tokyos). Feuerwerke sind typische Sommerveranstaltungen und sie sind sehr beeindruckend, weil viel größer als in Deutschland, deutlich länger (mehr als eine Stunde) und wirklich sehr schön. Die Menschenmengen sind zwar unglaublich, aber in Japan funktioniert es halt, dass alle ohne Geschubse und ohne Pöbeleien langsam den Weg zum Bahnhof nehmen und in die Züge einsteigen.