Fuji-san

Nach meinem Urlaub auf der Südhalbkugel (also quasi Winterurlaub zur Abkühlung) kehrte ich Mitte August nach Japan zurück und erwartete ein schwül-heißes Tokyo bei 35 Grad. Doch ich wurde überrascht: Die Temperaturen blieben noch gut eine Woche unter 30 Grad und es hatte an mehr als 20 Tagen in Folge in Tokyo geregnet –  nicht unbedingt viel und lang, meist nur Schauer, häufig Gewitter. Es hatte den Anschein, dass die Regenzeit, die in diesem Jahr in Tokyo irgendwie ausgefallen war, nun nachgeholt wurde.

Wegen des wechselhaften Wetter waren wir auch auf Regen eingestellt, als zwei Kollegen und ich uns am Freitag vor einer Woche nach dem Dienst auf den Wege machten, um den Berg Fuji zu besteigen. In Deutschland ist die Bezeichnung „Fuji-yama“ weit verbreitet, aber „Berg Fuji-san“ zu sagen ist ebenso falsch wie Fuji-yama. Das Zeichen, das an Fuji angehängt wird, um einen Berg zu kennzeichnen, wird yama oder san gelesen; in Kombination mit einem Namen, aber in der Regel -san, also Fuji-san.

Wir fuhren über Kawaguchi-ko (ein See und eine Ortschaft am Fuße des Fuji-san) bis zur 5 Station auf 2.305 Metern, denn wir hatten die Yoshida-Strecke gewählt. Es ist eine von 4 gut ausgeschilderten Strecken, die von Anfang Juli bis Anfang September geöffnet ist. Sie ist die am besten ausgebaute Strecke mit einer Reihe von Hütten. Folglich ist es auch die Strecke, die von den meisten gewählt wird. Wir aßen an der 5. Station noch etwas zum Abend und hielten uns dort noch eine Weile auf, um uns an die Höhenluft zu gewöhnen. Um kurz nach 21:00 Uhr (ja, es war bereits dunkel) gingen dann los. Bis zur 6. Station auf 2.390 Metern ist es ein netter Spaziergang mit wenig Steigung, aber so konnten wir uns an die Dunkelheit und unsere Stirn- bzw. Umhängelampen gewöhnen. Danach beginnen dann die Serpentinen bis zur 7. Station (2.700 m) – eine Strecke, für die man keine Stunde braucht, aber es ist schon anstrengend. Ab der 7. Station gibt es eine Reihe von kleinen Hütten, in denen viele Bergsteiger, die bereits am Nachmittag aufgebrochen waren, übernachteten. Sie gehen früh zu Bett, versuchen ein paar Stunden zu schlafen, um dann je nach Höhe und erwarteter Geschwindigkeit zwischen 1:00 und 3:00 Uhr aufzustehen und weiterzuwandern. Wir machten zwar auch kleinere Pausen, aber wanderten sonst einfach weiter. Dabei gibt es nach der 7. Station viele Passagen mit großen Gesteinsbrocken und zum Teil sehr schmale Wege, so dass man entweder seine  Wanderstöcke oder Hände braucht. Für die Strecke zwischen der 7. und 8. Station auf 3.400 Metern soll man 3 Stunden einrechnen. Wir waren etwas schneller, stellten dann aber auch fest, dass wir bei dem Tempo zu früh oben sein werden. Zudem wurde es deutlich kälter. Für den Gipfel waren zwar relativ warme 6 Grad angekündigt, aber der kalte starke Wind macht sich deutlich bemerkbar. Also wärmten wir uns in einer der Hütten mit einem Becher Trinkschokolade auf (wir hatten Glück, denn die meisten Hütten sind für Wanderer, die dort keine Übernachtung gebucht haben, nicht offen – es wird dann nur an einem Fenster verkauft). Als wir dann wieder losgingen, war klar, dass wir den Rest des Weges im Stau verbringen werden. Zum einen machten sich nach und nach Wandergruppen auf ihren Weg und zum anderen trifft die Subashiri-Strecke trifft auf unsere Yoshida-Strecke. Zudem ist das letzte Stück steil und felsig und alle sind müde. Man kann immer ein oder zwei Schritte machen, dann Pause, wieder zwei Schritte, warten, etc. Von oben betrachtet, sieht es wie eine unendliche Prozession aus.

OLYMPUS DIGITAL CAMERA

Trotzdem kamen immer noch früh (d. h. gegen 3:30 Uhr) beim Kusushi-Schrein auf 3.715 Metern an. Dort wärmten wir uns ein wenig ich zog auch noch meine Regenhose über. Ich befürchtete keinen Regen, sondern gegen den kalten Wind. Unterwegs, vor allem zwischen 8. und 9. Station sahen wir in einige Entfernung ein Gewitter, aber wir hatten Glück, es war die ganze Zeit trocken geblieben. Auf dem Gipfel waren es eher gefühlte 2 Grad und der Wind trieb Wolken herum. Da alle Restaurants voll waren, suchten wir uns eine geschützte Stelle, um auf den Sonnenaufgang zu warten, der für 5:05 Uhr angekündigt war. Ab ca. 4:20 Uhr begann das Farbenspiel. Es war wegen der Wolken vermutlich kein perfekter Sonnenaufgang, aber interessant und wirklich schön.

Nach dem Sonnenaufgang war es weiterhin kalt, der Wind war stark und die durchziehenden Wolken beschränkten die Sicht. Da die Lokale immer noch überfüllt waren und eine Kraterumwanderung wegen der Sichtverhältnisse keinen Sinn machte, suchten wir alsbald die Rückweg-Route auf. Sie verläuft ein relativ langes Stück gemeinsam mit der Subashiri-Strecke. Es geht erst in größeren, dann in kleineren Serpentinen einen relativ gut ausgebauten Sand-/Geröllweg hinunter in wärmere Gefilde. Für den Rückweg brauchten wir keine 4 Stunden, aßen noch eine Kleinigkeit an der 5. Station und nahmen dann um 10:00 Uhr den Bus zurück nach Tokyo.

OLYMPUS DIGITAL CAMERA

Den Rest des Samstag erledigte ich nur das Nötigste und erholte mich.

Advertisements

Ein Gedanke zu “Fuji-san

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s