Aikido

Udo war kaum weg, da kam auch schon Andy mit seiner Familie und testete mal die Kapazitäten einer Wohnung aus bzw. sie zwängten sich zu fünft in meine drei Gästezimmer. Das ist es mit einem Gäste-Badezimmer und einem Gäste-WC schon eine organisatorische Herausforderung, während ich mein eigenes Bad habe. Insgesamt klappte es aber gut und mir hatte es Spaß gemacht. Okay, ich musste arbeiten, habe aber doch von den Erfahrungen profitiert und außerdem haben wir ja den gemeinsamen Ausflug nach Iwama zum Aiki-Jinja (Schrein) gemacht. Es war der einzige richtige Regentag und wir wurden – trotz Regenschirmen – auch alle plitschnass (zumindest die Füße). Na ja, es kann ja auch nicht angehen, dass Regenzeit ist und es nicht regnet bzw. nur regnet, wenn sie gerade in Kyoto oder so unterwegs sind.

Dank Andy stand also Aikido im Monat Juni im Mittelpunkt (und meine Vorbereitungen für meine Japanisch-Prüfung Anfang Juli). Andy nutzte gleich am ersten Samstag die Gelegenheit und ging mit mir zu meinem neuen Verein „Fureaijuku“ zu Sensei Ishibashi (der mich übrigens nicht nur wegen seiner kräftigen Handgelenke und seiner freundlichen, offenen und herzlichen Art sehr an Eckart erinnert). Es stand Schwert auf dem Plan. Eigentlich ja nicht so mein Fall bisher, aber hier war es anders. Uns wurden allerdings auch sehr hochrangige Schüler zur Betreuung abgestellt, sonst hätten wir uns nur schwer zurecht gefunden. Es war ein gutes Training, anschließend gingen wir dann mit der Gruppe in eine Izakaya, um den Flüssigkeitshaushalt wieder auszugleichen und etwas zu essen. Es wurde ein toller Abend. Wir hatten viel Spaß und ich durfte mich wieder als Übersetzer versuchen. Andy hatte es so gut gefallen, dass er seinen Kyoto-Aufenthalt etwas kürzte, um dann in der Folgewoche wieder mit dabei zu sein – dieses Mal ohne Waffen. Es war wieder genial, so locker, ohne Kraft und doch so wirksam, dabei setzt er auch nur die Grundprinzipien ein, die wir auch kennen und denken, dass wir sie verwenden – da kann ich noch viel lernen. Wie in der Woche zuvor: 2 Stunden Training, gefolgt von ca. 3 Stunden Izakaya – tolle Gruppe. Auch nochmals am Abend vor seiner Abreise war Andy mit bei dem Verein. Dieses Mal hielt einer der Schüler den ersten Teil des Unterrichts und der Eindruck war wie in der Woche zuvor: Nichts grundlegend anders, aber durch die Berücksichtigung von Kleinigkeiten sehr überzeugend.

Andy radelte mit mir auch an einigen Morgen mit ins Frühtraining, d. h. 5:30 Aufstehen und dann um 5:40 Uhr aufs Fahrrad (5 Minuten extra eingeplant, da ich ja mit dem kleinen Rad fahren musste). Er schaute beim Training des Doshu zu. Schade, dass er nicht mittrainieren konnte. Aber ohne diese Regel, dass nur noch Aikikai-Mitglieder im Honbu-Dojo mittrainieren dürfen, hätten wir uns nie auf die Suche nach einem anderen Verein gemacht und folglich viel verpasst.

Ich war inzwischen natürlich auch wieder beim nächsten Schwerttraining. Dieses Mal hatten sie die Gruppe geteilt. In der Anfängergruppe haben wir erst einmal ein paar Grundlagen gelernt und es überzeugte mich wieder sehr. Wegen des Samstagstraining beim Fureaijuku gehe ich nun samstags nicht mehr ins Honbu-Dojo, obwohl ich den Trainer am Samstag Nachmittag und Abend auch sehr mag. Meine üblichen Trainings unter der Woche sind nun Montag früh (6:30 – 7:30 Uhr), Dienstag spät (19:00 – 20:00 Uhr) und Freitag früh – ggf. auch mal Mittwoch früh oder ein anderes Spättraining, wenn ich sonst verhindert bin.

Und sonst? Außer Japanischlernen (vor allem wegen der Prüfung), Teezeremonie und Arbeit hatte ich es Anfang Juni noch in eine Sonderausstellung mit Teezermonie-Utensilien geschafft und an dem ersten Wochenende mit Andy und seiner Familie war ich nach dem gemeinsam Besuch des Meiji-Schreins noch in dessen Garten, um mir die Irisblüte anzuschauen; auch die Seerosen waren sehr schön …

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