Ostern und Aikido (2)

Das kühle Wetter hatte bis Ostern angehalten, doch am Ostersonntag wurden dann locker 25 Grad erreicht. Einer der Kollegen hatte bei unserer Adventsfeier die Idee für einen Osterbrunch bei mir geäußert. Das Osterfest wird in Japan (noch) nicht gefeiert. Es mag daran liegen, dass es jedes Jahr zu einer anderen Zeit stattfindet und ggf. mit dem Hanami – den beliebten Feiern unter den blühenden Kirschbäumen – kollidiert. Obwohl wir sowohl am Karfreitag als auch am Ostermontag arbeiten mussten, setzten wir diese Idee in die Tat um. Sofern nicht verreist, kamen alle Bundesbanker mit ihren Familien sowie Kumi, Bahnhofsvorsteher Eto-san und Ines mit ihrer Tochter zu mir. Die Kinder konnten sich in meiner Wohnung austoben und Ostereier suchen. Da das Wetter so schön war, machten wir sogar einen Osterspaziergang vor dem Nachmittagskaffee. Ich hatte das erste Mal Eierlikör selbst gemacht. Der hatte richtig gut geschmeckt und da es zu viel war, haben wir die Reste dann am (Oster)Montag Nachmittag im Büro vernichtet.

Aikido: Also der Sensei kommt pünktlich ins Dojo und grüßt am Eingang ins Dojo, geht dann zur Mitte vor die Tokonoma (Nische mit Aikido-Kalligraphie) und grüßt ab. Dann dreht er sich um und grüßt zu den Aikido-ka. Je nach Tageszeit heißt es entweder „Ohayou gozaimasu“ (morgens) oder „Onegai (ita)shimasu“ (übrige Trainingseinheiten). Dann geht es gleich los. Alle Aikido-ka stehen auf und gehen etwas nach vorn fürs Aufwärmtraining. Der Doshu und sein Sohn erläutern beim Aufwärmen nichts und machen stets die gleichen Übungen. Auch die anderen Sensei machen ähnliche Übungen. Der Schwerpunkt liegt ganz klar beim Dehnen, viele Übungen werden nur ein einziges Mal gemacht und es sind Übungen dabei, die bei uns als Krankmacher-Übungen gelten. Eine besondere Herausforderung für einige Ausländer ist das Ablegen des Körpers nach hinten aus dem Kniesitz heraus.

Gerade jetzt um diese Jahreszeit kommen viele Ausländer, z. T. in ganzen Gruppen, zu Besuch. Mit 90 Leuten ist die Matte morgens schon gut gefüllt, doch in dieser Woche waren es vermutlich über 120 Aikido-ka. Definitiv zu viele, insbesondere im Frühtraining (das entweder vom Doshu oder seinem Sohn geleitet wird), denn in der Frühe wird nie in zwei Gruppen geteilt trainiert. Da wird das Fallen oder auch schon die Tenkan-Ausführung der Hebel zur Kunst. Es ist erstaunlich, dass es  dabei keine Verletzten gibt.

Kira hatte inzwischen Besuch von einer Freundin und direkt nach Ostern war sie nach Taiwan geflogen. Nun ist sie wieder zurück und hat mir heute Abend geholfen, die Reste meines Wochenend-Kochens zu vernichten. Morgen wird Erika ankommen – sie wird an der ADB-Konferenz in Yokohama teilnehmen und reist ein paar Tage früher an, um mich zu besuchen. Ich freue mich darauf. Danach geht dann der Stress los, auf den wir uns in den letzten Wochen vorbereitet haben. Am ersten Mai-Wochenende werden wir insgesamt 4 Vorstandmitglieder (inkl. Präsident und Vize-Präsidentin) plus drei weitere Bundesbanker in Tokyo zu Besuch haben. Somit verdoppelt sich die Anzahl der Bundesbanker in Tokyo schlagartig.

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