Wieder Tee und Pflaume

Nur eine Woche nach der Teezeremonie-Übungsstunde in einem Teehaus in dem nahe gelegenen Park waren wir wieder dort. Dieses Mal in einem großen Raum. Entsprechend der Raumgröße und des großen Regals (Tana) muss man einige Änderungen bei der Zubereitung berücksichtigen. Das große Teezimmer ermöglicht einen schönen Blick auf die Pflaumenblüte im Park. Wir haben begonnen, für unsere Teezeremonie-Vorführung am 20. März zu üben. Ich soll wieder Tee zubereiten bzw. als Hanto den Zubereiter unterstützen. Diese beiden Rollen haben wir auch in den folgenden Wochen geübt. Nur jetzt am letzten Samstag im Februar fiel der Unterricht aus. Unsere Teemeisterin wurde von einer befreundeten Teemeisterin eingeladen, an einer Yobanashi-Teezeremonie teilzunehmen. So sind wir zu fünft nach Higashi-Matsuyama gefahren, um diese Abend-Teezeremonie mitzuerleben. Wir trafen uns um 12:30 Uhr Higashi-Matsubara (d. h. ich fing so gegen 11:00 Uhr an, meinen neuen Kimono anzuziehen – ein heller, damit man bei der Abendteezeremonie auch gesehen wird), unsere Lehrerin fuhr. Wir waren früh da, denn Michael musste sich noch umziehen. Die Gäste (insgesamt 10) kamen alle so gegen 14:30 Uhr zu dem Haus der anderen Teemeisterin und um 15:00 Uhr ging es los. Es war ein wunderschönes Erlebnis, nicht nur das sehr leckere Essen und die wunderbaren Teegerätschaften, sondern vor allem die Beleuchtung. Es werden nur Kerzen verwendet, im Teezimmer und auch im Garten – eine unglaublich schöne Atmosphäre. Normalerweise darf man bei einer Teezeremonie nicht fotografieren, aber ein guter Bekannter unserer Teelehrerin ist Fotograf und er durfte Fotos machen. Wir werden wohl die Fotos bekommen. Ich bin gespannt.

Die Zeit der DAAD-Stipendiaten geht langsam zu Ende – die 18 Monate sind wirklich schnell vergangen. Sie hatten in der zweiten Februarhälfte ihre offizielle Abschlussveranstaltung (an einem Freitag) und so hatten wir entschieden, direkt im Anschluss noch einmal eine Feier bei mir zu machen. Marius, der ja von Kyushu geflogen kam, hatte sich zur Übernachtung bei mir angemeldet. Es sollte nochmals Käsespätzle geben. An dem Freitag Abend war ich ja auch auf dem Abschluss-Empfang des DAAD und da fragten dann zwei weitere Übernachtungsgäste (jeweils mit ihren Partnern) an, aber dann erst für Samstag Abend. Zur Feier kamen alle 9 Stipendiaten, einige mit ihren Freundinnen und Freunden, so dass wir insgesamt 17 Personen waren. Die Käsespätzle, der Salat und alles waren lecker, wir hatten viel Spaß und es wurde spät (die Japaner würden 26 Uhr schreiben), so dass sich die Zahl der Übernachtungsgäste spontan noch auf 6 erhöhte. Auf der Couch im Wohnzimmer kein Problem, damit waren dann aber auch meine Zudecken-Vorräte erschöpft (wird nachts schließlich noch sehr kühl hier). Am nächsten Morgen frühstückten wir dann spät und sehr gemütlich – es war fast schon ein Brunch.

Fünf der Übernachtungsgäste wollten am folgenden Sonntag zu einer kleinen Teezeremonie wiederkommen. Mir passte es gut, denn so konnte ich den Kimono vom Vorabend nochmals anziehen. Es kamen dann zwar nur vier, aber dafür brachten sie Lebensmittel mit. Sie wollten in meiner gut ausgestatteten Küche „Abschiedskuchen“ für ihre Kollegen backen und vorher haben sie gemeinsam ziemlich deutsches Essen gekocht – sehr lecker. Ich hatte mich beim Kuchenbacken angeschlossen und einen Hausfreund gebacken, um ihn am Montag mit ins Büro zu nehmen. Es war wieder ein netter Nachmittag und Abend.

Ach ja, im Goto-Museum war ich auch mal wieder (wegen einer Ausstellung mit sehr schönen Teegerätschaften). Dabei machte ich einen Spaziergang durch den Garten, der jetzt im Winter mit seinen Pflaumenblüten auch sehr schön ist, und man kann von einer Stelle aus sogar den Fuji-san sehen.

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