Japan versinkt im Schnee und in Tokyo blühen die Pflaumen

Das zwar kalte, aber sehr sonnige Wetter in Tokyo hat sich den ganzen Monat gehalten. Es war mal ein Kälterekord für Tokyo angesagt worden (mit – 3 Grad Celsius), aber dann war es doch wärmer. Ganz anders in vielen Teilen Japans! Der ganze Norden und die Westküste wurden regelgerecht eingeschneit. Mal schauen, ob wir im Februar doch noch Schnee in Tokyo bekommen. Die Tage werden jetzt schon wieder etwas länger, aber im Februar bleibt es in der Regel – mit wenigen Tagen als Ausnahme – noch kalt. Um so überraschender ist für unsereins, dass draußen recht viele Blüten zu sehen sind – sei es in Hecken oder an geschützten Stellen. Die Tage sind zwar noch kurz, aber wenn die Sonne erst einmal da ist, dann muss man sich gleich eine Lage Kleidung oder zumindest den Schal abnehmen.

Wirklich traumhaft ist die nun beginnende Pflaumenblüte! Die Laubbäume sind alle noch kahl, die Luft winterlich klar und dann sind da diese Blüten – weiß, zartrosa bis hin zu einem dunkel-kräftigen rosé. Am Samstag hatte ich schon einen ersten Eindruck davon. In Higashi-matsubara (dort lebt und unterrichtet meine Teelehrerin) befindet sich der Hanegi-Park, der für die Pflaumenblüte bekannt ist und in dem im Februar auch ein Pflaumenblütenfest veranstaltet wird. Meine Teelehrerin hatte für diesen Samstag eines der Teezimmer in einem recht großen Teezeremonie-Teehaus gemietet und so fand unserer Unterricht dort statt. Wir waren in einem Zimmer im Daime-Stil und folglich galt es bei der Zubereitung einige Sonderregeln zu beachten. Es war wieder sehr guter Unterricht. Ich habe viel gelernt (wie auch in den Wochen zuvor). Übrigens habe ich inzwischen meine Lehrerlaubnis erhalten und mir wegen der anstehenden Yobanashi (Teezeremonie-Veranstaltung am Abend) Ende Februar noch einen Kimono gekauft. Denn zur Yobanashi trägt man einen hellen Kimono. Ich konnte zu einem guten Preis einen Kimono plus Obi bei meinem Kimono-Laden kaufen. Nun warte ich darauf, dass er fertig wird.

 

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Alles Gute für 2017!

Da ich es ja nicht geschafft hatte, allen ein schönes Weihnachtsfest zu wünschen, nun zumindest an dieser Stelle meine besten Wünsche für das Neue Jahr!

Mein Bericht zum Neujahrsfest in Japan (auch für mich das erste Neujahrsfest hier) folgt in Kürze – ist da, siehe unten.

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Das Neujahrsfest in Japan ist das wichtigste Fest und ähnelt in mancher Hinsicht unserem Weihnachtsfest. Schon Tage vorher sieht man überall traditionellen Neujahrsschmuck und alle sind etwas gestresst wegen der Vorbereitungen bzw. der bevorstehenden Reise zur Familie. Viele Firmen sind geschlossen, selbst in den Behörden war ab Donnerstag nur noch eine Notbesetzung anwesend. Am Freitag war es in unserem Bürohochhaus gespenstisch ruhig. Da ich noch dringend einen Urlaubstag nehmen musste, war ich am Donnerstag nach meinem Japanisch-Unterricht nach Hause gefahren. Ich hatte außer Einkäufen etc. nichts weiter vor, also hatte ich Krapfen (mit Aprikosenmarmelade gefüllte Kreppel/Berliner) gebacken. Es klappte relativ gut und so gab es dann am Freitag Nachmittag noch für alle im Büro Krapfen und Sekt – ein ziemlich deutscher Ausklang des Arbeitsjahres.

Meine direkten Nachbarn hatten mich für den 31. Dezember zum Abendessen eingeladen. Es war ein netter Abend im Kreise der dreiköpfigen, indischen Familien. Die Tochter steht kurz vor dem Schulabschluss und sie hat sich bei mehreren Universitäten in Amerika beworben. Da sie großes Interesse an Kimonos hat, hatte ich ihr am Neujahrstag gezeigt, was alles zu einem Kimono dazu gehört und wie man ihn anzieht. Ich hatte ihr auch einen meiner Kimonos angezogen.

Das Neujahrsfest ist ein Fest der Familie und eher ruhig, d.h. es gibt ein Familienessen mit besonderen Speisen, von denen viele symbolische Bedeutungen haben. Meist schaut man gemeinsam die große Fernsehshow an und geht dann zu Mittagnacht zu einem Schrein. Das sogenannte Hatsumode, also die Schreinbesuche zu Neujahr finden während der gesamten Neujahrsfeiertage statt. An den Schreinen bilden sich lange Schlangen, die Leute trinken Sake und manchmal – wie z. B. beim Nezu-Schrein, den ich am 2. Januar besuchte – findet auf dem Schreingelände ein Flohmarkt statt.

 

Am 1. Januar ist es – vom Hatsumode abgesehen – sehr ruhig, denn nahezu alle Geschäfte haben geschlossen. Viele Geschäfte öffnen auch erst wieder ab dem 4. Januar oder zum folgenden Wochenende. Als wir am 4. Januar wieder ins Büro gingen, war es noch sehr ruhig im Finanzdistrikt – die Büros füllen sich erst langsam wieder.

In diesem Jahr hatten wir ausgesprochenes Glück mit dem Wetter, denn es war tagsüber stets sehr sonnig. Die Tage sind kurz, es ist kühl (im Schatten sogar kalt), aber in der Sonne schön warm und ich habe es sehr genossen. Und so hatte ich den Nezu-Schrein (liegt nicht weit von Ueno entfernt) mit dem Fahrrad besucht. Dies gab mir die Gelegenheit, mir mal wieder neue, von Shibuya etwas entferntere Gegenden zu erkunden. Zudem hatte ich Glück auf dem Flohmarkt, denn ich erwarb einen schönen Teelöffel (schwarz gelackte Rückseite mit einem Kiefernnadelmuster – gerade richtig für diese Jahreszeit).

Nachträge

Zwei Monate lang nichts im Blog geschrieben – gab es nichts zu berichten?

Doch – hier nun die Nachträge zu den Monaten November und Dezember:

Ende Oktober war Marlene abgereist, aber das heißt nicht, dass es bei mir leerer wurde. Am folgenden Wochenende übernachtete eine Freundin von Masumi bei mir, die aus Hokkaido (nördlichste der vier Hauptinseln) stammt und ein Wochenende in Tokyo verbrachte. Da am ersten Novemberwochenende überraschend viel Schnee auf Hokkaido fiel, hatte sie am Sonntag Abend Probleme mit dem Rückflug. Ich war an dem Sonntag mit der Gruppe der Museumsliebhaber (organisiert von Maruyama-san) nachmittags zum Besuch einer Shodo-Ausstellung im Goto-Museum verabredet. Vorab besuchte ich den Nachbarort Todoroki. Dort gibt es einen hübschen Wanderweg entlang eines Flusses zu einem Tempel. Von dort aus war es dann auch nicht weit bis zum Goto-Museum.

Im Museum erhielten wir als erstes einen Vortrag des Kurators der Ausstellung und dann schauten wir durch die Ausstellung an. Ich konnte einiges über die Entstehung der Silbenschrift Hiragana lernen und die ausgestellten Werke waren wirklich schön. Da Maruyama-san selbst Shodo-Künstler ist, konnte er nebenbei noch viel erklären. (Wie in Japan üblich sind alle weiterführenden Erläuterungen in den Museen und Ausstellungen nur auf Japanisch.) Das Goto-Museum ist in einem großen Park mit Teehäusern, Wasserfällen und verschlungenen Pfaden gelegen. Schade, dass es um diese Jahreszeit schon so früh dunkel wird und sobald die Sonne verschwindet, wurde es auch schon unangenehm kühl.

Am Mittwoch danach kamen dann Christine und Sabine zu Besuch. Darauf hatte ich mich schon lange gefreut und es war wirklich nett, dass sie ihre  Rundreise durch Japan bis zum darauffolgenden Wochenende verlängerten. Am Sonntag machten wir einen schönen Ausflug nach Kamakura. Da sie ja schon im Rahmen der Rundreise den großen Buddha und eine Tempelanlage besucht hatten, stiegen wir bei schönen Wetter in Nord-Kamakura aus und machten eine kleine Wanderung durch die Hügel, die Kamakura auf der Landseite umgeben. Als Zentralbanker mussten wir natürlich den Geldwäsche-Schrein (Zeniaraibenten Ugafuku-jinja) besuchen. Wir gingen dann durch die Stadt (mit kleineren Stopps in Geschäften) zu der Tempelanlage, die für ihren Bambus berühmt ist (Hokokuji). Auf dem Rückweg ins Stadtzentrum aßen wir etwas verspätet in einem italienischen Restaurant zu Mittag – klein, aber mit japanischer Liebe für Speisen wurden gute Gerichte serviert. Wir besuchten natürlich noch den Hauptschrein (Tsurugaoka Hachimangu) und gingen durch die Haupteinkaufsstraße zurück Richtung Bahnhof. Es war ein schöner Ausflug.

Christine und Sabine flogen dann am Montag zurück nach Deutschland. Ich folgte nach dem Empfang des Bundespräsidenten an der Botschaft am Dienstag mit dem Nachtflug nach Frankfurt. Von dort flog ich weiter nach Hamburg und der Flughafenbus brachte mich nach Neumünster. Ich verbrachte ein paar Tage dort und vermisste sehr bald das sonnige Wetter in Japan. Doch das Familientreffen als Brunch war sehr schön. In der Folgewoche ging es dann für die Führungskonferenz der Bundesbank wieder nach Frankfurt; Rückflug nach Japan (nach einigen Einkäufen) war dann am Samstag. Danach war ich ja nur knapp zwei Wochen (d. h. nur ein Wochenende) in Japan. Neben vielen dienstlichen Terminen war die erste Woche mit den Vorbereitungen für meine Adventsfeier geprägt. Es kamen die Kollegen mit ihren Familien, unsere ehemalige Sekretärin und unsere beiden Japanischlehrer. Es gab Stollen und Weihnachtsgebäck, Glühwein sowie Würstchen mit Kartoffelsalat, einen großen frischen Salat, Käse und Matcha-Eis. Es war ein schöner Nachmittag und Abend. Wir hatten viel gelacht.

Es war also schon Dezember und am 9.12. flog ich wieder nach Frankfurt. Am Montag begann die „Ausländerwoche“ mit vielen Vorträgen und bilateralen Terminen sowie dem Weihnachtsessen auf Einladung des Präsidenten, neben dem ich am Tisch saß. In der Woche war ich jeden  Am Samstag ging es dann noch mit einem tollen Zwischenstopp in Hannover gen Norden. Frau Benneckenstein zeigte mir die Weihnachtsmärkte und ich war schwer beeindruckt.

Kurz vor meinem Abflug erhielt ich noch von meiner Teelehrerin die Fotos von unserer großen Teezeremonie-Veranstaltung Mitte Oktober. Hier nun – weil  ich es versprochen hatte – ein Foto von mir in meinem neuen Kimono.