Ausflüge zur Taifunzeit – mitten in einer Giraffenherde

Im September gibt es zwei nahe beieinander liegende Feiertage, wenn dadurch – wie im letzten Jahr – eine Woche mit drei Brückentagen entsteht, wird diese Woche in Anlehnung an die Feiertagswoche Anfang Mai (Golden Week) dann Silver Week genannt. Okay, in diesem Jahr waren der Montag und Donnerstag frei. Da ich samstags mit Teezeremonie-Übung und Aikido immer gut beschäftigt bin und ich am Mittwoch wegen der Entscheidung der Bank of Japan im Büro sein wollte, nahm ich mir den Dienstag frei. So hatte ich drei aufeinanderfolgende freie Tage und konnte den Tokyo Wide Pass von Japan Rail ausnutzen. Mit diesem Regionalpass können Ausländer (nicht nur Touristen) für 10.000 Yen drei Tage lang alle Züge in der Region Kanto benutzen. Leider zog in dieser Zeit von Südwesten kommend Taifun Nr. 16 in unsere Richtung. Es war ein starker Taifun, der sich relativ langsam bewegte und somit entsprechend viel Regen brachte. Doch Regen kann mich nicht vom Reisen abhalten, ganz im Gegenteil.

Das Ziel am Sonntag war die in Ibaraki gelegenen Stadt Kasama, Ich schaute mir das Keramikmuseum der Region Ibaraki an und diverse Galerien, denn aufgrund des Regens musste ich immer mal wieder Zuflucht suchen. Am Nachmittag besuchte ich dann noch den Kasama Inari Schrein, der in einem netten Viertel mit alten Handelshäusern liegt. Insgesamt hat es mir so gut gefallen, dass ich auf jeden Fall bei besserem Wetter nochmals wiederkommen muss. Auf dem Rückweg machte ich noch einen kurzen Zwischenstopp in Yuuki, um mir dort eine Seidenweberei anzuschauen.

Am Montag regnete es in Tokyo, aber ich hatte mit einer weiteren Reise gen Nordosten Glück. In Mito gibt es einen der schönsten Landschaftsgärten in Japan, den Kairaku-en. Auch hier muss ich nochmals zur Pflaumenblüte hinfahren! Das im Garten gelegene Haus Kobuntei wurde von Lord Nariaki Tokugawa (1800 – 1860) zur Pflege der schönen Künste erbaut – tolle Malereien, faszinierende Details und wunderschöne Aussichten. Dieser Lord hat in der Stadt Mito 1841 die erste weiterführende Schule/Universität eröffnet, in der traditionelles und modernes Wissen ebenso wie die Kampfkünste und Musik vermittelt wurden.

Für den Dienstag war dann in ganz Kanto Regen angekündigt. Da der Taifun im Laufe des Tages im Süden von Kanto vorbeiziehen sollte, stellte ich meine Pläne etwas um und fuhr so weit als möglich mit dem  Zug nach Nordosten. Der mit dem JR Tokyo Wide Pass noch erreichbare Ort heißt Otsuko. Dort gibt es ein großes, sehr modernes Kunstmuseum (Tenshin Memorial Museum of Art), so dass ich auch ein konkretes Ziel hatte. Die Ausstellung fand ich nur mäßig interessant, aber die Lage des Museums – oben auf den Klippen mit weitem Blick (sofern der Regen mal nachließ) aufs Meer und die umliegende Küste – ist einfach toll. Vom Museumsrestaurant aus konnte ich den Blick genießen. Auf dem Weg zum Museum (ca. 2 km) fing es erst beim letzten Viertel an zu regnen. Als Rückweg wählte ich den langen Weg durch den direkt am Fischerei-Hafen gelegenen Ortsteil. Da begann der Regen schon nach kurzer Zeit und es wurde ziemlich heftig. Da ich am Bahnhof noch bis zur Abfahrt des Zuges noch Zeit hatte, konnte ich mich in einem kleinen Café bei einer Tasse Wiener Kaffee noch etwas trocknen. Es ist ja zum Glück nicht kalt gewesen. Als ich gegen 19:00 Uhr wieder zurück in Tokyo war, regnete es gerade heftig, so dass der Weg vom Bahnhof Shibuya bis zur Wohnung ausreichte, um wieder nasse Hosen und Schuhe zu haben.

Regen in Japan, insbesondere zur Regenzeit im Frühsommer und jetzt zur (noch) Taifunzeit, ist einfach nasser als Regen in Deutschland. Man muss davon ausgehen, dass trotz Regenschirms ohne und bei nur leichtem Wind die Hosenbeine bis auf Kniehöhe nass werden. Sobald der Wind etwas stärker wird, werden auch die Oberschenkel nass. (Schuhe sowieso – daher hat es sich schon mehrfach ausgezahlt, dass ich mir letzten Dezember in Deutschland noch Gummistiefel gekauft hatte.) Trotzdem reise ich bei dem Wetter gerne (auch ohne Gummistiefel). Wenn man im Zug aus dem Fenster schaut, sieht man in der Stadt noch vor allem die regennassen Straßen. Auf dem Land dann saftiges Grün, glänzende Dachpfannen in unterschiedlichen Farben, spiegelnde Pfützen – der Himmer ist eher weiß als grau, wie in einer einzigen großen Wolke. Das ganze Land schaut aus wie ein fetter nasser Schwamm. Sobald man den Schwamm drückt oder darauf tritt, wird man halt nass. Shigata ga nai (da kann man nichts machen)!

Ach, nun hätte ich die Giraffen fast vergessen. Das war übrigens am Montag in Mito auf dem Weg zum Kairaku-en.

 

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2 Gedanken zu “Ausflüge zur Taifunzeit – mitten in einer Giraffenherde

  1. Ja, vor kurzem konnte man ja lesen, dass es wohl deutlich mehr verschiedene Giraffenrassen (ich hoffe, das ist der richtige Fachbegriff) gibt, als angenommen. Meine Giraffenherde gehört eindeutig zu den Baustellengiraffen, Unterart: Verkehrsbaustellengiraffen.

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