Ostern und Aikido (2)

Das kühle Wetter hatte bis Ostern angehalten, doch am Ostersonntag wurden dann locker 25 Grad erreicht. Einer der Kollegen hatte bei unserer Adventsfeier die Idee für einen Osterbrunch bei mir geäußert. Das Osterfest wird in Japan (noch) nicht gefeiert. Es mag daran liegen, dass es jedes Jahr zu einer anderen Zeit stattfindet und ggf. mit dem Hanami – den beliebten Feiern unter den blühenden Kirschbäumen – kollidiert. Obwohl wir sowohl am Karfreitag als auch am Ostermontag arbeiten mussten, setzten wir diese Idee in die Tat um. Sofern nicht verreist, kamen alle Bundesbanker mit ihren Familien sowie Kumi, Bahnhofsvorsteher Eto-san und Ines mit ihrer Tochter zu mir. Die Kinder konnten sich in meiner Wohnung austoben und Ostereier suchen. Da das Wetter so schön war, machten wir sogar einen Osterspaziergang vor dem Nachmittagskaffee. Ich hatte das erste Mal Eierlikör selbst gemacht. Der hatte richtig gut geschmeckt und da es zu viel war, haben wir die Reste dann am (Oster)Montag Nachmittag im Büro vernichtet.

Aikido: Also der Sensei kommt pünktlich ins Dojo und grüßt am Eingang ins Dojo, geht dann zur Mitte vor die Tokonoma (Nische mit Aikido-Kalligraphie) und grüßt ab. Dann dreht er sich um und grüßt zu den Aikido-ka. Je nach Tageszeit heißt es entweder „Ohayou gozaimasu“ (morgens) oder „Onegai (ita)shimasu“ (übrige Trainingseinheiten). Dann geht es gleich los. Alle Aikido-ka stehen auf und gehen etwas nach vorn fürs Aufwärmtraining. Der Doshu und sein Sohn erläutern beim Aufwärmen nichts und machen stets die gleichen Übungen. Auch die anderen Sensei machen ähnliche Übungen. Der Schwerpunkt liegt ganz klar beim Dehnen, viele Übungen werden nur ein einziges Mal gemacht und es sind Übungen dabei, die bei uns als Krankmacher-Übungen gelten. Eine besondere Herausforderung für einige Ausländer ist das Ablegen des Körpers nach hinten aus dem Kniesitz heraus.

Gerade jetzt um diese Jahreszeit kommen viele Ausländer, z. T. in ganzen Gruppen, zu Besuch. Mit 90 Leuten ist die Matte morgens schon gut gefüllt, doch in dieser Woche waren es vermutlich über 120 Aikido-ka. Definitiv zu viele, insbesondere im Frühtraining (das entweder vom Doshu oder seinem Sohn geleitet wird), denn in der Frühe wird nie in zwei Gruppen geteilt trainiert. Da wird das Fallen oder auch schon die Tenkan-Ausführung der Hebel zur Kunst. Es ist erstaunlich, dass es  dabei keine Verletzten gibt.

Kira hatte inzwischen Besuch von einer Freundin und direkt nach Ostern war sie nach Taiwan geflogen. Nun ist sie wieder zurück und hat mir heute Abend geholfen, die Reste meines Wochenend-Kochens zu vernichten. Morgen wird Erika ankommen – sie wird an der ADB-Konferenz in Yokohama teilnehmen und reist ein paar Tage früher an, um mich zu besuchen. Ich freue mich darauf. Danach geht dann der Stress los, auf den wir uns in den letzten Wochen vorbereitet haben. Am ersten Mai-Wochenende werden wir insgesamt 4 Vorstandmitglieder (inkl. Präsident und Vize-Präsidentin) plus drei weitere Bundesbanker in Tokyo zu Besuch haben. Somit verdoppelt sich die Anzahl der Bundesbanker in Tokyo schlagartig.

Aikido (1) & Sonstiges

Da wurde an mich der Wunsch herangetragen, doch mehr übers Aikido zu schreiben. Guter Hinweis, schließlich ist dies Teil einer Aikido-Webseite! Nun werde ich immer mal Teile zum Training schreiben. Wo fange ich an? Am Anfang! Nachdem man am Empfang seinen Pass abgegeben hat (jede Trainingseinheit wird erfasst – schließlich muss man eine Mindestanzahl von Trainings absolviert haben, bevor man sich zur nächsten Prüfung anmelden darf) zieht man die Schuhe aus. Man kann sie in ein sehr großes Wandregal am Eingang stellen. Verglichen mit den Umkleiden in Deutschland sind die Umkleideräume hier winzig: Keine Bänke o.ä., sondern lediglich Schließfächer, in die man seine Sachen und Taschen einschließen kann. Da ja alle in Strümpfen oder barfuß sind, ist der Boden sauber, also kein Problem. Angeschlossen an den Umkleideraum ist ein Waschraum (sogar mit Duschen). Es empfiehlt sich ca. 15 Minuten vor dem Training auf der Matte zu sein, um sich noch etwas aufzuwärmen. Beim Betreten des Raums grüßt man erst zur Tokonoma und dann in Richtung der anderen Aikidoka. Bis ca. 5 Minuten vor Trainingsbeginn hat man Zeit sich noch selbständig etwas warm zu machen. Kaum jemand macht Kraft- oder Ausdauerübungen, sondern es wird vor allem gedehnt und gelockert. Etwa 5 Minuten vor Trainingsbeginn knien sich alle Aikidoka (in mehreren Reihen) ab, gehen in sich (d. h. es wird nicht mehr geschwätzt) und warten auf den Sensei … (Fortsetzung folgt)

Seit meinem letzten Bericht (und meinem Urlaub) ist noch nicht so viel Zeit vergangen. Das Arbeitsleben geht seinen Gang. Am letzten Feiertag (Montag, 20. März) hatten wir zusammen mit drei weiteren Teezeremonie-Gruppen eine große Teezeremonie-Veranstaltung. Wir haben für ca. 200 Gäste Tee zubereitet! Der Tag war aufregend, anstrengend und schön. Ich habe wieder viele Kleinigkeiten gelernt, die man bei einer solchen Veranstaltung bzw. bei deren Vorbereitung beachten muss. Am letzten Samstag hatten wir dann noch Chakabuki, eine besondere Form der Teezeremonie – quasi ein Tee-Raten mit drei verschiedenen Tees – geübt. Diese Form wird vor allem im März geübt. Da wir mit dem Üben für die große Teezeremonie-Veranstaltung beschäftigt waren, haben wir es erst spät damit beginnen können und werden es voraussichtlich auch an diesem Samstag noch einmal tun.

Momentan übernachten gerade Kira (eine der nun ja ehemaligen Stipendiatinnen), ihre Schwester und deren Freund bei mir. Sie waren nach Auflösung von Kiras Wohnung durch Asien gereist. Nun wird umgepackt.

Ansonsten warten alle auf die Kirschblüte. Der Beginn (also die ersten Blüten) war in Tokyo sehr früh offiziell verkündet worden, aber seitdem ist es hier recht kühl – kälter als in Deutschland! Heute hat es sogar etwas geregnet und somit wird es vermutlich nichts mit dem Blütenmeer an diesem Wochenende.

Endlich Urlaub!

Für japanische Verhältnisse hatte ich einen ziemlich langen Urlaub von acht Tagen. Endlich habe ich es geschafft, mir mal eine mir noch unbekannte Gegend von Japan anzuschauen. Ich flog nach Okinawa. Es ist dies südlichste Präfektur Japans und besteht aus mehreren Inselgruppen. Die ersten Tage verbrachte ich auf der Hauptinsel. Insgesamt ist Okinawa kulturell und geschichtlich sehr interessant, aber die Hauptinsel machte mit den vielen Betonbauten in der Präfekturhauptstadt Naha, viel Verkehr und dem amerikanischen Luftwaffenstützpunkt eher einen hässlichen Eindruck. Ich habe mir natürlich die Burg Shuri des alten Ryukyu-Königreichs angeschaut, war per Bus gen Norden unterwegs (u. a. im sehenswerten Aquarium und im sehr schönen botanischen Garten). Da es an einem Tag auch etwas regnete, hatte ich mir sogar das große und moderne Museum angeschaut. Was mir fehlte, waren Bezüge zum Karate. Schließlich wurde Karate ja in Okinawa entwickelt! Doch außer ein oder zwei Reportagen im Fernsehen gab es nichts.

Dann flog ich weiter nach Ishigaki. Diese Insel liegt in einer Inselgruppe kurz vor Taiwan und folglich war es dort richtig warm. Ich hatte Glück mit einem sehr netten Hotel in der Nähe des Hafens; so konnte ich die kleine Stadt zu Fuß erkunden. Im Hotel kann man Fahrräder kostenlos ausleihen. Dies nutze ich für zwei Ausflüge, einen zur nördlichen Küste (mit einem Abstecher bei einer Keramik-Werkstatt „Ishigaki-yaki“ mit sehr schönen Keramiken im Ishigaki Blue) und einen ins Inselinnere. Die einsamen Strände mit unglaublich klarem Wasser und die subtropische Vegetation sind faszinierend. Da die Fahrräder keine Gangschaltung haben, waren die Anstiege allerdings wirklich anstrengend. Neben den Straßen gibt es zumindest auf einer Seite meist einen sehr breiten Fußgänger- und Fahrradweg, so dass die Insel eigentlich fürs Fahrradfahren gut geeignet ist (zumindest im Winterhalbjahr). Am letzten Tag fand ich einen Fahrradverleih mit besseren Rädern. Ich muss also nochmals wiederkommen, um den Rest der Insel zu erkunden. Außerdem hatte ich es nicht geschafft, Ausflüge zu den kleinen Nachbarinseln zu machen.

Wieder Tee und Pflaume

Nur eine Woche nach der Teezeremonie-Übungsstunde in einem Teehaus in dem nahe gelegenen Park waren wir wieder dort. Dieses Mal in einem großen Raum. Entsprechend der Raumgröße und des großen Regals (Tana) muss man einige Änderungen bei der Zubereitung berücksichtigen. Das große Teezimmer ermöglicht einen schönen Blick auf die Pflaumenblüte im Park. Wir haben begonnen, für unsere Teezeremonie-Vorführung am 20. März zu üben. Ich soll wieder Tee zubereiten bzw. als Hanto den Zubereiter unterstützen. Diese beiden Rollen haben wir auch in den folgenden Wochen geübt. Nur jetzt am letzten Samstag im Februar fiel der Unterricht aus. Unsere Teemeisterin wurde von einer befreundeten Teemeisterin eingeladen, an einer Yobanashi-Teezeremonie teilzunehmen. So sind wir zu fünft nach Higashi-Matsuyama gefahren, um diese Abend-Teezeremonie mitzuerleben. Wir trafen uns um 12:30 Uhr Higashi-Matsubara (d. h. ich fing so gegen 11:00 Uhr an, meinen neuen Kimono anzuziehen – ein heller, damit man bei der Abendteezeremonie auch gesehen wird), unsere Lehrerin fuhr. Wir waren früh da, denn Michael musste sich noch umziehen. Die Gäste (insgesamt 10) kamen alle so gegen 14:30 Uhr zu dem Haus der anderen Teemeisterin und um 15:00 Uhr ging es los. Es war ein wunderschönes Erlebnis, nicht nur das sehr leckere Essen und die wunderbaren Teegerätschaften, sondern vor allem die Beleuchtung. Es werden nur Kerzen verwendet, im Teezimmer und auch im Garten – eine unglaublich schöne Atmosphäre. Normalerweise darf man bei einer Teezeremonie nicht fotografieren, aber ein guter Bekannter unserer Teelehrerin ist Fotograf und er durfte Fotos machen. Wir werden wohl die Fotos bekommen. Ich bin gespannt.

Die Zeit der DAAD-Stipendiaten geht langsam zu Ende – die 18 Monate sind wirklich schnell vergangen. Sie hatten in der zweiten Februarhälfte ihre offizielle Abschlussveranstaltung (an einem Freitag) und so hatten wir entschieden, direkt im Anschluss noch einmal eine Feier bei mir zu machen. Marius, der ja von Kyushu geflogen kam, hatte sich zur Übernachtung bei mir angemeldet. Es sollte nochmals Käsespätzle geben. An dem Freitag Abend war ich ja auch auf dem Abschluss-Empfang des DAAD und da fragten dann zwei weitere Übernachtungsgäste (jeweils mit ihren Partnern) an, aber dann erst für Samstag Abend. Zur Feier kamen alle 9 Stipendiaten, einige mit ihren Freundinnen und Freunden, so dass wir insgesamt 17 Personen waren. Die Käsespätzle, der Salat und alles waren lecker, wir hatten viel Spaß und es wurde spät (die Japaner würden 26 Uhr schreiben), so dass sich die Zahl der Übernachtungsgäste spontan noch auf 6 erhöhte. Auf der Couch im Wohnzimmer kein Problem, damit waren dann aber auch meine Zudecken-Vorräte erschöpft (wird nachts schließlich noch sehr kühl hier). Am nächsten Morgen frühstückten wir dann spät und sehr gemütlich – es war fast schon ein Brunch.

Fünf der Übernachtungsgäste wollten am folgenden Sonntag zu einer kleinen Teezeremonie wiederkommen. Mir passte es gut, denn so konnte ich den Kimono vom Vorabend nochmals anziehen. Es kamen dann zwar nur vier, aber dafür brachten sie Lebensmittel mit. Sie wollten in meiner gut ausgestatteten Küche „Abschiedskuchen“ für ihre Kollegen backen und vorher haben sie gemeinsam ziemlich deutsches Essen gekocht – sehr lecker. Ich hatte mich beim Kuchenbacken angeschlossen und einen Hausfreund gebacken, um ihn am Montag mit ins Büro zu nehmen. Es war wieder ein netter Nachmittag und Abend.

Ach ja, im Goto-Museum war ich auch mal wieder (wegen einer Ausstellung mit sehr schönen Teegerätschaften). Dabei machte ich einen Spaziergang durch den Garten, der jetzt im Winter mit seinen Pflaumenblüten auch sehr schön ist, und man kann von einer Stelle aus sogar den Fuji-san sehen.

Japan versinkt im Schnee und in Tokyo blühen die Pflaumen

Das zwar kalte, aber sehr sonnige Wetter in Tokyo hat sich den ganzen Monat gehalten. Es war mal ein Kälterekord für Tokyo angesagt worden (mit – 3 Grad Celsius), aber dann war es doch wärmer. Ganz anders in vielen Teilen Japans! Der ganze Norden und die Westküste wurden regelgerecht eingeschneit. Mal schauen, ob wir im Februar doch noch Schnee in Tokyo bekommen. Die Tage werden jetzt schon wieder etwas länger, aber im Februar bleibt es in der Regel – mit wenigen Tagen als Ausnahme – noch kalt. Um so überraschender ist für unsereins, dass draußen recht viele Blüten zu sehen sind – sei es in Hecken oder an geschützten Stellen. Die Tage sind zwar noch kurz, aber wenn die Sonne erst einmal da ist, dann muss man sich gleich eine Lage Kleidung oder zumindest den Schal abnehmen.

Wirklich traumhaft ist die nun beginnende Pflaumenblüte! Die Laubbäume sind alle noch kahl, die Luft winterlich klar und dann sind da diese Blüten – weiß, zartrosa bis hin zu einem dunkel-kräftigen rosé. Am Samstag hatte ich schon einen ersten Eindruck davon. In Higashi-matsubara (dort lebt und unterrichtet meine Teelehrerin) befindet sich der Hanegi-Park, der für die Pflaumenblüte bekannt ist und in dem im Februar auch ein Pflaumenblütenfest veranstaltet wird. Meine Teelehrerin hatte für diesen Samstag eines der Teezimmer in einem recht großen Teezeremonie-Teehaus gemietet und so fand unserer Unterricht dort statt. Wir waren in einem Zimmer im Daime-Stil und folglich galt es bei der Zubereitung einige Sonderregeln zu beachten. Es war wieder sehr guter Unterricht. Ich habe viel gelernt (wie auch in den Wochen zuvor). Übrigens habe ich inzwischen meine Lehrerlaubnis erhalten und mir wegen der anstehenden Yobanashi (Teezeremonie-Veranstaltung am Abend) Ende Februar noch einen Kimono gekauft. Denn zur Yobanashi trägt man einen hellen Kimono. Ich konnte zu einem guten Preis einen Kimono plus Obi bei meinem Kimono-Laden kaufen. Nun warte ich darauf, dass er fertig wird.

 

Alles Gute für 2017!

Da ich es ja nicht geschafft hatte, allen ein schönes Weihnachtsfest zu wünschen, nun zumindest an dieser Stelle meine besten Wünsche für das Neue Jahr!

Mein Bericht zum Neujahrsfest in Japan (auch für mich das erste Neujahrsfest hier) folgt in Kürze – ist da, siehe unten.

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Das Neujahrsfest in Japan ist das wichtigste Fest und ähnelt in mancher Hinsicht unserem Weihnachtsfest. Schon Tage vorher sieht man überall traditionellen Neujahrsschmuck und alle sind etwas gestresst wegen der Vorbereitungen bzw. der bevorstehenden Reise zur Familie. Viele Firmen sind geschlossen, selbst in den Behörden war ab Donnerstag nur noch eine Notbesetzung anwesend. Am Freitag war es in unserem Bürohochhaus gespenstisch ruhig. Da ich noch dringend einen Urlaubstag nehmen musste, war ich am Donnerstag nach meinem Japanisch-Unterricht nach Hause gefahren. Ich hatte außer Einkäufen etc. nichts weiter vor, also hatte ich Krapfen (mit Aprikosenmarmelade gefüllte Kreppel/Berliner) gebacken. Es klappte relativ gut und so gab es dann am Freitag Nachmittag noch für alle im Büro Krapfen und Sekt – ein ziemlich deutscher Ausklang des Arbeitsjahres.

Meine direkten Nachbarn hatten mich für den 31. Dezember zum Abendessen eingeladen. Es war ein netter Abend im Kreise der dreiköpfigen, indischen Familien. Die Tochter steht kurz vor dem Schulabschluss und sie hat sich bei mehreren Universitäten in Amerika beworben. Da sie großes Interesse an Kimonos hat, hatte ich ihr am Neujahrstag gezeigt, was alles zu einem Kimono dazu gehört und wie man ihn anzieht. Ich hatte ihr auch einen meiner Kimonos angezogen.

Das Neujahrsfest ist ein Fest der Familie und eher ruhig, d.h. es gibt ein Familienessen mit besonderen Speisen, von denen viele symbolische Bedeutungen haben. Meist schaut man gemeinsam die große Fernsehshow an und geht dann zu Mittagnacht zu einem Schrein. Das sogenannte Hatsumode, also die Schreinbesuche zu Neujahr finden während der gesamten Neujahrsfeiertage statt. An den Schreinen bilden sich lange Schlangen, die Leute trinken Sake und manchmal – wie z. B. beim Nezu-Schrein, den ich am 2. Januar besuchte – findet auf dem Schreingelände ein Flohmarkt statt.

 

Am 1. Januar ist es – vom Hatsumode abgesehen – sehr ruhig, denn nahezu alle Geschäfte haben geschlossen. Viele Geschäfte öffnen auch erst wieder ab dem 4. Januar oder zum folgenden Wochenende. Als wir am 4. Januar wieder ins Büro gingen, war es noch sehr ruhig im Finanzdistrikt – die Büros füllen sich erst langsam wieder.

In diesem Jahr hatten wir ausgesprochenes Glück mit dem Wetter, denn es war tagsüber stets sehr sonnig. Die Tage sind kurz, es ist kühl (im Schatten sogar kalt), aber in der Sonne schön warm und ich habe es sehr genossen. Und so hatte ich den Nezu-Schrein (liegt nicht weit von Ueno entfernt) mit dem Fahrrad besucht. Dies gab mir die Gelegenheit, mir mal wieder neue, von Shibuya etwas entferntere Gegenden zu erkunden. Zudem hatte ich Glück auf dem Flohmarkt, denn ich erwarb einen schönen Teelöffel (schwarz gelackte Rückseite mit einem Kiefernnadelmuster – gerade richtig für diese Jahreszeit).

Nachträge

Zwei Monate lang nichts im Blog geschrieben – gab es nichts zu berichten?

Doch – hier nun die Nachträge zu den Monaten November und Dezember:

Ende Oktober war Marlene abgereist, aber das heißt nicht, dass es bei mir leerer wurde. Am folgenden Wochenende übernachtete eine Freundin von Masumi bei mir, die aus Hokkaido (nördlichste der vier Hauptinseln) stammt und ein Wochenende in Tokyo verbrachte. Da am ersten Novemberwochenende überraschend viel Schnee auf Hokkaido fiel, hatte sie am Sonntag Abend Probleme mit dem Rückflug. Ich war an dem Sonntag mit der Gruppe der Museumsliebhaber (organisiert von Maruyama-san) nachmittags zum Besuch einer Shodo-Ausstellung im Goto-Museum verabredet. Vorab besuchte ich den Nachbarort Todoroki. Dort gibt es einen hübschen Wanderweg entlang eines Flusses zu einem Tempel. Von dort aus war es dann auch nicht weit bis zum Goto-Museum.

Im Museum erhielten wir als erstes einen Vortrag des Kurators der Ausstellung und dann schauten wir durch die Ausstellung an. Ich konnte einiges über die Entstehung der Silbenschrift Hiragana lernen und die ausgestellten Werke waren wirklich schön. Da Maruyama-san selbst Shodo-Künstler ist, konnte er nebenbei noch viel erklären. (Wie in Japan üblich sind alle weiterführenden Erläuterungen in den Museen und Ausstellungen nur auf Japanisch.) Das Goto-Museum ist in einem großen Park mit Teehäusern, Wasserfällen und verschlungenen Pfaden gelegen. Schade, dass es um diese Jahreszeit schon so früh dunkel wird und sobald die Sonne verschwindet, wurde es auch schon unangenehm kühl.

Am Mittwoch danach kamen dann Christine und Sabine zu Besuch. Darauf hatte ich mich schon lange gefreut und es war wirklich nett, dass sie ihre  Rundreise durch Japan bis zum darauffolgenden Wochenende verlängerten. Am Sonntag machten wir einen schönen Ausflug nach Kamakura. Da sie ja schon im Rahmen der Rundreise den großen Buddha und eine Tempelanlage besucht hatten, stiegen wir bei schönen Wetter in Nord-Kamakura aus und machten eine kleine Wanderung durch die Hügel, die Kamakura auf der Landseite umgeben. Als Zentralbanker mussten wir natürlich den Geldwäsche-Schrein (Zeniaraibenten Ugafuku-jinja) besuchen. Wir gingen dann durch die Stadt (mit kleineren Stopps in Geschäften) zu der Tempelanlage, die für ihren Bambus berühmt ist (Hokokuji). Auf dem Rückweg ins Stadtzentrum aßen wir etwas verspätet in einem italienischen Restaurant zu Mittag – klein, aber mit japanischer Liebe für Speisen wurden gute Gerichte serviert. Wir besuchten natürlich noch den Hauptschrein (Tsurugaoka Hachimangu) und gingen durch die Haupteinkaufsstraße zurück Richtung Bahnhof. Es war ein schöner Ausflug.

Christine und Sabine flogen dann am Montag zurück nach Deutschland. Ich folgte nach dem Empfang des Bundespräsidenten an der Botschaft am Dienstag mit dem Nachtflug nach Frankfurt. Von dort flog ich weiter nach Hamburg und der Flughafenbus brachte mich nach Neumünster. Ich verbrachte ein paar Tage dort und vermisste sehr bald das sonnige Wetter in Japan. Doch das Familientreffen als Brunch war sehr schön. In der Folgewoche ging es dann für die Führungskonferenz der Bundesbank wieder nach Frankfurt; Rückflug nach Japan (nach einigen Einkäufen) war dann am Samstag. Danach war ich ja nur knapp zwei Wochen (d. h. nur ein Wochenende) in Japan. Neben vielen dienstlichen Terminen war die erste Woche mit den Vorbereitungen für meine Adventsfeier geprägt. Es kamen die Kollegen mit ihren Familien, unsere ehemalige Sekretärin und unsere beiden Japanischlehrer. Es gab Stollen und Weihnachtsgebäck, Glühwein sowie Würstchen mit Kartoffelsalat, einen großen frischen Salat, Käse und Matcha-Eis. Es war ein schöner Nachmittag und Abend. Wir hatten viel gelacht.

Es war also schon Dezember und am 9.12. flog ich wieder nach Frankfurt. Am Montag begann die „Ausländerwoche“ mit vielen Vorträgen und bilateralen Terminen sowie dem Weihnachtsessen auf Einladung des Präsidenten, neben dem ich am Tisch saß. In der Woche war ich jeden  Am Samstag ging es dann noch mit einem tollen Zwischenstopp in Hannover gen Norden. Frau Benneckenstein zeigte mir die Weihnachtsmärkte und ich war schwer beeindruckt.

Kurz vor meinem Abflug erhielt ich noch von meiner Teelehrerin die Fotos von unserer großen Teezeremonie-Veranstaltung Mitte Oktober. Hier nun – weil  ich es versprochen hatte – ein Foto von mir in meinem neuen Kimono.