Fuji-san

Nach meinem Urlaub auf der Südhalbkugel (also quasi Winterurlaub zur Abkühlung) kehrte ich Mitte August nach Japan zurück und erwartete ein schwül-heißes Tokyo bei 35 Grad. Doch ich wurde überrascht: Die Temperaturen blieben noch gut eine Woche unter 30 Grad und es hatte an mehr als 20 Tagen in Folge in Tokyo geregnet –  nicht unbedingt viel und lang, meist nur Schauer, häufig Gewitter. Es hatte den Anschein, dass die Regenzeit, die in diesem Jahr in Tokyo irgendwie ausgefallen war, nun nachgeholt wurde.

Wegen des wechselhaften Wetter waren wir auch auf Regen eingestellt, als zwei Kollegen und ich uns am Freitag vor einer Woche nach dem Dienst auf den Wege machten, um den Berg Fuji zu besteigen. In Deutschland ist die Bezeichnung „Fuji-yama“ weit verbreitet, aber „Berg Fuji-san“ zu sagen ist ebenso falsch wie Fuji-yama. Das Zeichen, das an Fuji angehängt wird, um einen Berg zu kennzeichnen, wird yama oder san gelesen; in Kombination mit einem Namen, aber in der Regel -san, also Fuji-san.

Wir fuhren über Kawaguchi-ko (ein See und eine Ortschaft am Fuße des Fuji-san) bis zur 5 Station auf 2.305 Metern, denn wir hatten die Yoshida-Strecke gewählt. Es ist eine von 4 gut ausgeschilderten Strecken, die von Anfang Juli bis Anfang September geöffnet ist. Sie ist die am besten ausgebaute Strecke mit einer Reihe von Hütten. Folglich ist es auch die Strecke, die von den meisten gewählt wird. Wir aßen an der 5. Station noch etwas zum Abend und hielten uns dort noch eine Weile auf, um uns an die Höhenluft zu gewöhnen. Um kurz nach 21:00 Uhr (ja, es war bereits dunkel) gingen dann los. Bis zur 6. Station auf 2.390 Metern ist es ein netter Spaziergang mit wenig Steigung, aber so konnten wir uns an die Dunkelheit und unsere Stirn- bzw. Umhängelampen gewöhnen. Danach beginnen dann die Serpentinen bis zur 7. Station (2.700 m) – eine Strecke, für die man keine Stunde braucht, aber es ist schon anstrengend. Ab der 7. Station gibt es eine Reihe von kleinen Hütten, in denen viele Bergsteiger, die bereits am Nachmittag aufgebrochen waren, übernachteten. Sie gehen früh zu Bett, versuchen ein paar Stunden zu schlafen, um dann je nach Höhe und erwarteter Geschwindigkeit zwischen 1:00 und 3:00 Uhr aufzustehen und weiterzuwandern. Wir machten zwar auch kleinere Pausen, aber wanderten sonst einfach weiter. Dabei gibt es nach der 7. Station viele Passagen mit großen Gesteinsbrocken und zum Teil sehr schmale Wege, so dass man entweder seine  Wanderstöcke oder Hände braucht. Für die Strecke zwischen der 7. und 8. Station auf 3.400 Metern soll man 3 Stunden einrechnen. Wir waren etwas schneller, stellten dann aber auch fest, dass wir bei dem Tempo zu früh oben sein werden. Zudem wurde es deutlich kälter. Für den Gipfel waren zwar relativ warme 6 Grad angekündigt, aber der kalte starke Wind macht sich deutlich bemerkbar. Also wärmten wir uns in einer der Hütten mit einem Becher Trinkschokolade auf (wir hatten Glück, denn die meisten Hütten sind für Wanderer, die dort keine Übernachtung gebucht haben, nicht offen – es wird dann nur an einem Fenster verkauft). Als wir dann wieder losgingen, war klar, dass wir den Rest des Weges im Stau verbringen werden. Zum einen machten sich nach und nach Wandergruppen auf ihren Weg und zum anderen trifft die Subashiri-Strecke trifft auf unsere Yoshida-Strecke. Zudem ist das letzte Stück steil und felsig und alle sind müde. Man kann immer ein oder zwei Schritte machen, dann Pause, wieder zwei Schritte, warten, etc. Von oben betrachtet, sieht es wie eine unendliche Prozession aus.

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Trotzdem kamen immer noch früh (d. h. gegen 3:30 Uhr) beim Kusushi-Schrein auf 3.715 Metern an. Dort wärmten wir uns ein wenig ich zog auch noch meine Regenhose über. Ich befürchtete keinen Regen, sondern gegen den kalten Wind. Unterwegs, vor allem zwischen 8. und 9. Station sahen wir in einige Entfernung ein Gewitter, aber wir hatten Glück, es war die ganze Zeit trocken geblieben. Auf dem Gipfel waren es eher gefühlte 2 Grad und der Wind trieb Wolken herum. Da alle Restaurants voll waren, suchten wir uns eine geschützte Stelle, um auf den Sonnenaufgang zu warten, der für 5:05 Uhr angekündigt war. Ab ca. 4:20 Uhr begann das Farbenspiel. Es war wegen der Wolken vermutlich kein perfekter Sonnenaufgang, aber interessant und wirklich schön.

Nach dem Sonnenaufgang war es weiterhin kalt, der Wind war stark und die durchziehenden Wolken beschränkten die Sicht. Da die Lokale immer noch überfüllt waren und eine Kraterumwanderung wegen der Sichtverhältnisse keinen Sinn machte, suchten wir alsbald die Rückweg-Route auf. Sie verläuft ein relativ langes Stück gemeinsam mit der Subashiri-Strecke. Es geht erst in größeren, dann in kleineren Serpentinen einen relativ gut ausgebauten Sand-/Geröllweg hinunter in wärmere Gefilde. Für den Rückweg brauchten wir keine 4 Stunden, aßen noch eine Kleinigkeit an der 5. Station und nahmen dann um 10:00 Uhr den Bus zurück nach Tokyo.

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Den Rest des Samstag erledigte ich nur das Nötigste und erholte mich.

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Aikido

Udo war kaum weg, da kam auch schon Andy mit seiner Familie und testete mal die Kapazitäten einer Wohnung aus bzw. sie zwängten sich zu fünft in meine drei Gästezimmer. Das ist es mit einem Gäste-Badezimmer und einem Gäste-WC schon eine organisatorische Herausforderung, während ich mein eigenes Bad habe. Insgesamt klappte es aber gut und mir hatte es Spaß gemacht. Okay, ich musste arbeiten, habe aber doch von den Erfahrungen profitiert und außerdem haben wir ja den gemeinsamen Ausflug nach Iwama zum Aiki-Jinja (Schrein) gemacht. Es war der einzige richtige Regentag und wir wurden – trotz Regenschirmen – auch alle plitschnass (zumindest die Füße). Na ja, es kann ja auch nicht angehen, dass Regenzeit ist und es nicht regnet bzw. nur regnet, wenn sie gerade in Kyoto oder so unterwegs sind.

Dank Andy stand also Aikido im Monat Juni im Mittelpunkt (und meine Vorbereitungen für meine Japanisch-Prüfung Anfang Juli). Andy nutzte gleich am ersten Samstag die Gelegenheit und ging mit mir zu meinem neuen Verein „Fureaijuku“ zu Sensei Ishibashi (der mich übrigens nicht nur wegen seiner kräftigen Handgelenke und seiner freundlichen, offenen und herzlichen Art sehr an Eckart erinnert). Es stand Schwert auf dem Plan. Eigentlich ja nicht so mein Fall bisher, aber hier war es anders. Uns wurden allerdings auch sehr hochrangige Schüler zur Betreuung abgestellt, sonst hätten wir uns nur schwer zurecht gefunden. Es war ein gutes Training, anschließend gingen wir dann mit der Gruppe in eine Izakaya, um den Flüssigkeitshaushalt wieder auszugleichen und etwas zu essen. Es wurde ein toller Abend. Wir hatten viel Spaß und ich durfte mich wieder als Übersetzer versuchen. Andy hatte es so gut gefallen, dass er seinen Kyoto-Aufenthalt etwas kürzte, um dann in der Folgewoche wieder mit dabei zu sein – dieses Mal ohne Waffen. Es war wieder genial, so locker, ohne Kraft und doch so wirksam, dabei setzt er auch nur die Grundprinzipien ein, die wir auch kennen und denken, dass wir sie verwenden – da kann ich noch viel lernen. Wie in der Woche zuvor: 2 Stunden Training, gefolgt von ca. 3 Stunden Izakaya – tolle Gruppe. Auch nochmals am Abend vor seiner Abreise war Andy mit bei dem Verein. Dieses Mal hielt einer der Schüler den ersten Teil des Unterrichts und der Eindruck war wie in der Woche zuvor: Nichts grundlegend anders, aber durch die Berücksichtigung von Kleinigkeiten sehr überzeugend.

Andy radelte mit mir auch an einigen Morgen mit ins Frühtraining, d. h. 5:30 Aufstehen und dann um 5:40 Uhr aufs Fahrrad (5 Minuten extra eingeplant, da ich ja mit dem kleinen Rad fahren musste). Er schaute beim Training des Doshu zu. Schade, dass er nicht mittrainieren konnte. Aber ohne diese Regel, dass nur noch Aikikai-Mitglieder im Honbu-Dojo mittrainieren dürfen, hätten wir uns nie auf die Suche nach einem anderen Verein gemacht und folglich viel verpasst.

Ich war inzwischen natürlich auch wieder beim nächsten Schwerttraining. Dieses Mal hatten sie die Gruppe geteilt. In der Anfängergruppe haben wir erst einmal ein paar Grundlagen gelernt und es überzeugte mich wieder sehr. Wegen des Samstagstraining beim Fureaijuku gehe ich nun samstags nicht mehr ins Honbu-Dojo, obwohl ich den Trainer am Samstag Nachmittag und Abend auch sehr mag. Meine üblichen Trainings unter der Woche sind nun Montag früh (6:30 – 7:30 Uhr), Dienstag spät (19:00 – 20:00 Uhr) und Freitag früh – ggf. auch mal Mittwoch früh oder ein anderes Spättraining, wenn ich sonst verhindert bin.

Und sonst? Außer Japanischlernen (vor allem wegen der Prüfung), Teezeremonie und Arbeit hatte ich es Anfang Juni noch in eine Sonderausstellung mit Teezermonie-Utensilien geschafft und an dem ersten Wochenende mit Andy und seiner Familie war ich nach dem gemeinsam Besuch des Meiji-Schreins noch in dessen Garten, um mir die Irisblüte anzuschauen; auch die Seerosen waren sehr schön …

Mai = Besucherrekord

Wie bereits beim letzten Mal angekündigt, hatten wir (d. h. unser Büro) Anfang Mai vier Vorstandsmitglieder (einschließlich Präsident und Vizepräsidentin) zu Besuch in Tokyo für Sitzungen am Sonntag und Montag. Für unser kleines Büro war dies eine neue Herausforderung, aber alles klappte ganz gut. Nach diesem Wochenende war leider keine Zeit zum Verschnaufen, denn wir waren dann schon in der heißen Phase der Vorbereitungen für unser Jubiläum. Neben dem großen Jubiläumsempfang (mit ca. 150 Gästen) waren diverse Gesprächstermine zu vereinbaren. Außerdem organisierten wir zwei Interviews, ein Frühstück mit Vertretern der japanischen Industrie und ein Seminar an der Universität Tokyo. Alles lief gut und nach der Abreise unseres Vorstandsmitglieds gab es nur noch wenige Nacharbeiten. Allerdings mussten wir am Freitag dann noch einen unserer Kollegen verabschieden. Er ist nach drei Jahren in Tokyo nun mit seiner Familie nach Deutschland zurückgekehrt. Das mussten wir natürlich ausgiebig begießen.

Weiterer großer Besuch: Udo und seine Frau! Sie kamen zwar mit etwas Verspätung an, aber dafür brachten sie auch gutes Wetter mit, das sich bis auf einen Tag dies ganze Zeit über gehalten hat. Ich möchte deren Bericht nicht vorgreifen. Ihre persönlichen Eindrücke müssen sie selbst schildern. Also konzentriere ich mich aufs Aikido. Wir gingen am ersten Samstag Nachmittag in Honbu Dojo zum Training in den Unterricht, den ich auch regelmäßig besuche. Allerdings erlebten wir eine herbe Enttäuschung, denn Udo durfte nicht mitmachen. Vermutlich wegen der vielen Ausländer, die bei ihren Besuchen im Honbu Dojo mittrainieren (und manches Mal ist es für uns, die wir regelmäßig dort trainieren, dann schon unerträglich voll auf der Matte), wurden wohl die Regel geändert. Nun dürfen nur noch Mitglieder des Aikikai dort trainieren. Sehr schade! Uns blieb nichts anderes übrig, als ein wenig vom Mattenrand aus zuzuschauen – sehr ärgerlich. Ich ließ mir dann eine Liste von Dojos in der Nähe geben, damit ich für die nächste Woche etwas finden konnte (nach der Reise nach Westjapan). Es war nicht so einfach, aber in einem Dojo hatten wir Glück, allerdings fiel das Training am Samstag aus, weil ja das Gesamtjapanische Aikido-Treffen in der Nippon Budokan stattfand. Der Leiter des Dojo (Herr Ishibashi) war so nett, Udo einzuladen, sich der Gruppe anzuschließen und einfach bei der Aufführung mitzumachen. (Ich hatte leider keine Zeit, weil ich zu einem Museumsbesuch verabredet war und so erst kurz vor dem Auftritt in der Halle sein konnte.) Schaut mal, ob ihr Udo auf den Bildern findet! Anschließend sind wir dann mit der Gruppe mitgegangen in eine Izakaya (japanisches Kneipenrestaurant) und haben einen tollen Abend erlebt – super nett, lustige Truppe! Ich habe versprochen, zukünftig auch dort in dem Verein zu trainieren.

Ostern und Aikido (2)

Das kühle Wetter hatte bis Ostern angehalten, doch am Ostersonntag wurden dann locker 25 Grad erreicht. Einer der Kollegen hatte bei unserer Adventsfeier die Idee für einen Osterbrunch bei mir geäußert. Das Osterfest wird in Japan (noch) nicht gefeiert. Es mag daran liegen, dass es jedes Jahr zu einer anderen Zeit stattfindet und ggf. mit dem Hanami – den beliebten Feiern unter den blühenden Kirschbäumen – kollidiert. Obwohl wir sowohl am Karfreitag als auch am Ostermontag arbeiten mussten, setzten wir diese Idee in die Tat um. Sofern nicht verreist, kamen alle Bundesbanker mit ihren Familien sowie Kumi, Bahnhofsvorsteher Eto-san und Ines mit ihrer Tochter zu mir. Die Kinder konnten sich in meiner Wohnung austoben und Ostereier suchen. Da das Wetter so schön war, machten wir sogar einen Osterspaziergang vor dem Nachmittagskaffee. Ich hatte das erste Mal Eierlikör selbst gemacht. Der hatte richtig gut geschmeckt und da es zu viel war, haben wir die Reste dann am (Oster)Montag Nachmittag im Büro vernichtet.

Aikido: Also der Sensei kommt pünktlich ins Dojo und grüßt am Eingang ins Dojo, geht dann zur Mitte vor die Tokonoma (Nische mit Aikido-Kalligraphie) und grüßt ab. Dann dreht er sich um und grüßt zu den Aikido-ka. Je nach Tageszeit heißt es entweder „Ohayou gozaimasu“ (morgens) oder „Onegai (ita)shimasu“ (übrige Trainingseinheiten). Dann geht es gleich los. Alle Aikido-ka stehen auf und gehen etwas nach vorn fürs Aufwärmtraining. Der Doshu und sein Sohn erläutern beim Aufwärmen nichts und machen stets die gleichen Übungen. Auch die anderen Sensei machen ähnliche Übungen. Der Schwerpunkt liegt ganz klar beim Dehnen, viele Übungen werden nur ein einziges Mal gemacht und es sind Übungen dabei, die bei uns als Krankmacher-Übungen gelten. Eine besondere Herausforderung für einige Ausländer ist das Ablegen des Körpers nach hinten aus dem Kniesitz heraus.

Gerade jetzt um diese Jahreszeit kommen viele Ausländer, z. T. in ganzen Gruppen, zu Besuch. Mit 90 Leuten ist die Matte morgens schon gut gefüllt, doch in dieser Woche waren es vermutlich über 120 Aikido-ka. Definitiv zu viele, insbesondere im Frühtraining (das entweder vom Doshu oder seinem Sohn geleitet wird), denn in der Frühe wird nie in zwei Gruppen geteilt trainiert. Da wird das Fallen oder auch schon die Tenkan-Ausführung der Hebel zur Kunst. Es ist erstaunlich, dass es  dabei keine Verletzten gibt.

Kira hatte inzwischen Besuch von einer Freundin und direkt nach Ostern war sie nach Taiwan geflogen. Nun ist sie wieder zurück und hat mir heute Abend geholfen, die Reste meines Wochenend-Kochens zu vernichten. Morgen wird Erika ankommen – sie wird an der ADB-Konferenz in Yokohama teilnehmen und reist ein paar Tage früher an, um mich zu besuchen. Ich freue mich darauf. Danach geht dann der Stress los, auf den wir uns in den letzten Wochen vorbereitet haben. Am ersten Mai-Wochenende werden wir insgesamt 4 Vorstandmitglieder (inkl. Präsident und Vize-Präsidentin) plus drei weitere Bundesbanker in Tokyo zu Besuch haben. Somit verdoppelt sich die Anzahl der Bundesbanker in Tokyo schlagartig.

Aikido (1) & Sonstiges

Da wurde an mich der Wunsch herangetragen, doch mehr übers Aikido zu schreiben. Guter Hinweis, schließlich ist dies Teil einer Aikido-Webseite! Nun werde ich immer mal Teile zum Training schreiben. Wo fange ich an? Am Anfang! Nachdem man am Empfang seinen Pass abgegeben hat (jede Trainingseinheit wird erfasst – schließlich muss man eine Mindestanzahl von Trainings absolviert haben, bevor man sich zur nächsten Prüfung anmelden darf) zieht man die Schuhe aus. Man kann sie in ein sehr großes Wandregal am Eingang stellen. Verglichen mit den Umkleiden in Deutschland sind die Umkleideräume hier winzig: Keine Bänke o.ä., sondern lediglich Schließfächer, in die man seine Sachen und Taschen einschließen kann. Da ja alle in Strümpfen oder barfuß sind, ist der Boden sauber, also kein Problem. Angeschlossen an den Umkleideraum ist ein Waschraum (sogar mit Duschen). Es empfiehlt sich ca. 15 Minuten vor dem Training auf der Matte zu sein, um sich noch etwas aufzuwärmen. Beim Betreten des Raums grüßt man erst zur Tokonoma und dann in Richtung der anderen Aikidoka. Bis ca. 5 Minuten vor Trainingsbeginn hat man Zeit sich noch selbständig etwas warm zu machen. Kaum jemand macht Kraft- oder Ausdauerübungen, sondern es wird vor allem gedehnt und gelockert. Etwa 5 Minuten vor Trainingsbeginn knien sich alle Aikidoka (in mehreren Reihen) ab, gehen in sich (d. h. es wird nicht mehr geschwätzt) und warten auf den Sensei … (Fortsetzung folgt)

Seit meinem letzten Bericht (und meinem Urlaub) ist noch nicht so viel Zeit vergangen. Das Arbeitsleben geht seinen Gang. Am letzten Feiertag (Montag, 20. März) hatten wir zusammen mit drei weiteren Teezeremonie-Gruppen eine große Teezeremonie-Veranstaltung. Wir haben für ca. 200 Gäste Tee zubereitet! Der Tag war aufregend, anstrengend und schön. Ich habe wieder viele Kleinigkeiten gelernt, die man bei einer solchen Veranstaltung bzw. bei deren Vorbereitung beachten muss. Am letzten Samstag hatten wir dann noch Chakabuki, eine besondere Form der Teezeremonie – quasi ein Tee-Raten mit drei verschiedenen Tees – geübt. Diese Form wird vor allem im März geübt. Da wir mit dem Üben für die große Teezeremonie-Veranstaltung beschäftigt waren, haben wir es erst spät damit beginnen können und werden es voraussichtlich auch an diesem Samstag noch einmal tun.

Momentan übernachten gerade Kira (eine der nun ja ehemaligen Stipendiatinnen), ihre Schwester und deren Freund bei mir. Sie waren nach Auflösung von Kiras Wohnung durch Asien gereist. Nun wird umgepackt.

Ansonsten warten alle auf die Kirschblüte. Der Beginn (also die ersten Blüten) war in Tokyo sehr früh offiziell verkündet worden, aber seitdem ist es hier recht kühl – kälter als in Deutschland! Heute hat es sogar etwas geregnet und somit wird es vermutlich nichts mit dem Blütenmeer an diesem Wochenende.

Endlich Urlaub!

Für japanische Verhältnisse hatte ich einen ziemlich langen Urlaub von acht Tagen. Endlich habe ich es geschafft, mir mal eine mir noch unbekannte Gegend von Japan anzuschauen. Ich flog nach Okinawa. Es ist dies südlichste Präfektur Japans und besteht aus mehreren Inselgruppen. Die ersten Tage verbrachte ich auf der Hauptinsel. Insgesamt ist Okinawa kulturell und geschichtlich sehr interessant, aber die Hauptinsel machte mit den vielen Betonbauten in der Präfekturhauptstadt Naha, viel Verkehr und dem amerikanischen Luftwaffenstützpunkt eher einen hässlichen Eindruck. Ich habe mir natürlich die Burg Shuri des alten Ryukyu-Königreichs angeschaut, war per Bus gen Norden unterwegs (u. a. im sehenswerten Aquarium und im sehr schönen botanischen Garten). Da es an einem Tag auch etwas regnete, hatte ich mir sogar das große und moderne Museum angeschaut. Was mir fehlte, waren Bezüge zum Karate. Schließlich wurde Karate ja in Okinawa entwickelt! Doch außer ein oder zwei Reportagen im Fernsehen gab es nichts.

Dann flog ich weiter nach Ishigaki. Diese Insel liegt in einer Inselgruppe kurz vor Taiwan und folglich war es dort richtig warm. Ich hatte Glück mit einem sehr netten Hotel in der Nähe des Hafens; so konnte ich die kleine Stadt zu Fuß erkunden. Im Hotel kann man Fahrräder kostenlos ausleihen. Dies nutze ich für zwei Ausflüge, einen zur nördlichen Küste (mit einem Abstecher bei einer Keramik-Werkstatt „Ishigaki-yaki“ mit sehr schönen Keramiken im Ishigaki Blue) und einen ins Inselinnere. Die einsamen Strände mit unglaublich klarem Wasser und die subtropische Vegetation sind faszinierend. Da die Fahrräder keine Gangschaltung haben, waren die Anstiege allerdings wirklich anstrengend. Neben den Straßen gibt es zumindest auf einer Seite meist einen sehr breiten Fußgänger- und Fahrradweg, so dass die Insel eigentlich fürs Fahrradfahren gut geeignet ist (zumindest im Winterhalbjahr). Am letzten Tag fand ich einen Fahrradverleih mit besseren Rädern. Ich muss also nochmals wiederkommen, um den Rest der Insel zu erkunden. Außerdem hatte ich es nicht geschafft, Ausflüge zu den kleinen Nachbarinseln zu machen.

Wieder Tee und Pflaume

Nur eine Woche nach der Teezeremonie-Übungsstunde in einem Teehaus in dem nahe gelegenen Park waren wir wieder dort. Dieses Mal in einem großen Raum. Entsprechend der Raumgröße und des großen Regals (Tana) muss man einige Änderungen bei der Zubereitung berücksichtigen. Das große Teezimmer ermöglicht einen schönen Blick auf die Pflaumenblüte im Park. Wir haben begonnen, für unsere Teezeremonie-Vorführung am 20. März zu üben. Ich soll wieder Tee zubereiten bzw. als Hanto den Zubereiter unterstützen. Diese beiden Rollen haben wir auch in den folgenden Wochen geübt. Nur jetzt am letzten Samstag im Februar fiel der Unterricht aus. Unsere Teemeisterin wurde von einer befreundeten Teemeisterin eingeladen, an einer Yobanashi-Teezeremonie teilzunehmen. So sind wir zu fünft nach Higashi-Matsuyama gefahren, um diese Abend-Teezeremonie mitzuerleben. Wir trafen uns um 12:30 Uhr Higashi-Matsubara (d. h. ich fing so gegen 11:00 Uhr an, meinen neuen Kimono anzuziehen – ein heller, damit man bei der Abendteezeremonie auch gesehen wird), unsere Lehrerin fuhr. Wir waren früh da, denn Michael musste sich noch umziehen. Die Gäste (insgesamt 10) kamen alle so gegen 14:30 Uhr zu dem Haus der anderen Teemeisterin und um 15:00 Uhr ging es los. Es war ein wunderschönes Erlebnis, nicht nur das sehr leckere Essen und die wunderbaren Teegerätschaften, sondern vor allem die Beleuchtung. Es werden nur Kerzen verwendet, im Teezimmer und auch im Garten – eine unglaublich schöne Atmosphäre. Normalerweise darf man bei einer Teezeremonie nicht fotografieren, aber ein guter Bekannter unserer Teelehrerin ist Fotograf und er durfte Fotos machen. Wir werden wohl die Fotos bekommen. Ich bin gespannt.

Die Zeit der DAAD-Stipendiaten geht langsam zu Ende – die 18 Monate sind wirklich schnell vergangen. Sie hatten in der zweiten Februarhälfte ihre offizielle Abschlussveranstaltung (an einem Freitag) und so hatten wir entschieden, direkt im Anschluss noch einmal eine Feier bei mir zu machen. Marius, der ja von Kyushu geflogen kam, hatte sich zur Übernachtung bei mir angemeldet. Es sollte nochmals Käsespätzle geben. An dem Freitag Abend war ich ja auch auf dem Abschluss-Empfang des DAAD und da fragten dann zwei weitere Übernachtungsgäste (jeweils mit ihren Partnern) an, aber dann erst für Samstag Abend. Zur Feier kamen alle 9 Stipendiaten, einige mit ihren Freundinnen und Freunden, so dass wir insgesamt 17 Personen waren. Die Käsespätzle, der Salat und alles waren lecker, wir hatten viel Spaß und es wurde spät (die Japaner würden 26 Uhr schreiben), so dass sich die Zahl der Übernachtungsgäste spontan noch auf 6 erhöhte. Auf der Couch im Wohnzimmer kein Problem, damit waren dann aber auch meine Zudecken-Vorräte erschöpft (wird nachts schließlich noch sehr kühl hier). Am nächsten Morgen frühstückten wir dann spät und sehr gemütlich – es war fast schon ein Brunch.

Fünf der Übernachtungsgäste wollten am folgenden Sonntag zu einer kleinen Teezeremonie wiederkommen. Mir passte es gut, denn so konnte ich den Kimono vom Vorabend nochmals anziehen. Es kamen dann zwar nur vier, aber dafür brachten sie Lebensmittel mit. Sie wollten in meiner gut ausgestatteten Küche „Abschiedskuchen“ für ihre Kollegen backen und vorher haben sie gemeinsam ziemlich deutsches Essen gekocht – sehr lecker. Ich hatte mich beim Kuchenbacken angeschlossen und einen Hausfreund gebacken, um ihn am Montag mit ins Büro zu nehmen. Es war wieder ein netter Nachmittag und Abend.

Ach ja, im Goto-Museum war ich auch mal wieder (wegen einer Ausstellung mit sehr schönen Teegerätschaften). Dabei machte ich einen Spaziergang durch den Garten, der jetzt im Winter mit seinen Pflaumenblüten auch sehr schön ist, und man kann von einer Stelle aus sogar den Fuji-san sehen.