Viele Besucher und unser Embukai zm Aikido-Jubiläum

Sorry, ich hatte in der Zwischenzeit den schreibenden Zugriff auf diesen Blog verloren. Dirk sei Dank, nun klappt es wieder! Wo war ich stehengeblieben?

Ende August musste meine älteste Nichte wieder zurückfliegen, doch im September hatte dann Tetsuo etwas länger bei mir gewohnt, weil es seiner Großmutter nicht so gut ging. Ende September landeten dann eine andere Nichte, ihr Bruder und deren Cousine. Sie verbrachten die Herbstferien bei mir. Das war auch eine sehr schöne Zeit für mich, den wir machten einige Ausflüge. In dieser Zeit entschied sich kurz entschlossen noch Bettina mit ihrem Sohn Vitos bei mir vorbeizuschauen. Sie überredete mich noch zu einem Onsen-Besuch kurz vor ihrem Abflug – Dank der Besucher kann auch ich immer mal etwas Neues entdecken. Für gut eine Woche war es dann recht voll in meiner Wohnung, aber es klappte gut.

Wir waren nicht nur am Meiji-Schrein, sondern machten Ausflüge nach Hakone (mit tollem Blick auf den Fuji-san) und bestiegen den Berg Takao, außerdem besuchten wir gemeinsam das Teamlab-Museum mit den Lichtinstallationen auf Odaiba – da gab es dann auch Blumen in/auf einer Tasse Tee.

Bettina war natürlich auch mit zum Training bei der Aikido-Gruppe von Ishibashi-sensei. Sie hatte Glück, denn wir waren noch in unser angestammten Halle (und damit auch in unserem Stammlokal) in Togoshi. Es war ein gutes Training und ein netter Abend! Bettina war quasi die Vorhut der Aikidoka vom Flughafen.

Mitte Oktober kamen dann Dirk, Andrej und Nina. Auch sie konnten noch einmal in Togoshi trainieren. Wegen Renovierungsarbeiten ist das Training nun nach Gotanda ausgelagert. Es ist eine schöne, sehr moderne Halle und auch näher, aber noch fehlt es uns an einem gemütlichen Stammlokal. Leider fällt das Training häufiger aus und manches Mal können wir auch nur die Kendo-Halle (d. h. keine Matten) nutzen. Ich mache also momentan viel Schwert.

Leider waren die drei ein paar Tage zu spät für das 30jährige Jubiläum der Aikido-Gruppe. Es wurde ein Embukai, d. h. eine Aikido-Vorführung veranstaltet. Alle Mitglieder führten ihr Aikido vor (auch ich hatte drei Minuten und zwei Uke; später musste ich dann noch angreifen). Befreundete Vereine oder Aikidoka führten auch ihr Aikido vor. Es waren nur wenige Gäste da, die nicht auch auf der Matte vorführten, darumter mein Kollege, meine Teelehrerin und eine fortgeschrittene Teeschülerin. Es dauerte insgesamt 1 1/2 Stunden und sie sind alle bis zum Schluss geblieben. Überraschend, denn ich dachte, für Nicht-Aikidoka ist es zu langweilig. Ishibashi-sensei hatte sie dann zu Feier am Abend eingeladen. Das war dann ein schöner Abend, mit Essen, Trinken, vielen lustigen Ansprachen usw. Ishibashi-sensei freute sich auch sehr über die Grüße vom Flughafen-Aikido, ich denke, das große Bild wird einen besonderen Platz für ihn haben. Ach ja, vom Embukai gibt es eine DVD – die gesamte Veranstaltung aus zwei Kameraperspektiven. Wer Interesse hat, kann sich gerne bei mir melden …

So, nun merke ich, dass ich nicht erklärt habe, warum meine Teemeisterin den Aikido-Embukai in Togoshi besucht hat. Es war quasi ein Gegenbesuch, denn Ishibashi-sensei und sechs weitere Aikidoka waren doch bei unserer Teezeremonie Anfang September. Dazu sind inzwischen auch die Bilder da, aber nun wird es doch zu lang.

Auch zum alljährlichen Embukai aller Aikido-Gruppen in Tokyo (Ende November, am Tag vor meinem Abflug nach Deutschland) kann ich jetzt nichts schreiben. Den 1. und 2. Advent war ich in Deutschland, morgen ist der 3. Advent, da kommen die Büro-Kollegen (inkl. Ruheständlerin) mit ihren Familien zu mir zur Adventsfeier (Stollen, Lebkuchen etc. am Nachmittag und dann Kartoffelsalat, Würstchen, selbst gebackenes Brot (ich hoffe, es klappt) und viel Käse …)

Allen eine schöne Weihnachtszeit!

(In Kürze werde ich wieder nach Deutschland fliegen und erst am 30.12. wieder zurückkehren – dann beginnen die letzten 10 Monate meines Japanaufenthalts.)

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Hinter den sieben Bergen …

Okay, es können auch acht oder so sein, aber ich war in der Tat in einer märchenhaften Landschaft. Von Maibara (oder Kyoto – ist besser bekannt) kommend, fährt der Zug erst entlang des Biwa-ko (größter Binnensee Japans) und dann durch viele Tunnel. Ich stieg an einem Sonntag in Takefu aus, brachte das Gepäck zur Unterkunft, aß etwas zum Mittag und machte mich gleich auf den Weg. Mit dem Regionalzug fuhr ich in die nächste Ortschaft, die für die Brillenherstellung bekannt ist. Ziel für den Nachmittag war das Lackarbeitsdorf, also eine Ansiedelung einiger Meister der Lackkunst. In der zentrale Ausstellungshalle gibt es Teile für den täglichen Gebrauch ebenso wie wertvolle Kunstwerke. Ich kaufte nur Kleinigkeiten und schaute mir die Sonderausstellung an. Da der nächste Bus erst in knapp 1 1/2 Stunden gefahren wäre, bin ich zu Fuß zum Bahnhof zurück, gut acht Kilometer. Es war jeden Schritt wert, denn so konnte ich diese Landschaft wirklich genießen. Zudem war es angenehm warm.

Wenn man in Japan aufs Land fährt, ist man immer mal von der Natur überwältigt, aber hier kommt noch hinzu, dass auch die Kulturlandschaft sich so harmonisch einfügt. In den Dörfern oder Teilen der über mehrere Täler verteilten Gemeinde herrschen die traditionellen Dachformen vor. Nicht mehr alle Häuser sind aus traditionellen Baustoffen, aber es gibt kaum die sonst so weit verbreiteten viereckigen Betonklötze. Die Anzahl der Fachwerkhäuser ist enorm und doch wirkt es nicht wie ein Besuch im Museumsdorf. Die Menschen arbeiten und leben hier und nutzen moderne Maschinen etc. Meine Augen empfanden die Natur und Architektur als sehr angenehm.

 

Für den Montag (ein Feiertag) hatte ich den Termin mit dem  Töpfermeister Yamada, Kazu. Seine Frau holte mich um 10:00 Uhr ab und wir fuhren ins gut zwölf Kilometer entfernte Töpferdorf. Ich wurde nett empfangen, durfte mir die Brennöfen vom Meister und von seinem Sohn anschauen. Wir gingen ins Töpferei-Museum Echizen und sie fuhren mit mir sogar noch ins „Washi (japanisches geschöpftes Papier)-Dorf“. Zum Abendessen bekochte uns der Sohn Yamada, der mit seiner Frau und beiden kleinen Töchtern im Nachbarhaus wohnt. Übrigens, das Haus des Meisters ist eines der typischen Echizen-Fachwerkhäuser, die vor ein paar Jahrzehnten im Töpferdorf wieder neu aufgebaut wurden, um Töpfer anzuwerben und quasi die Echizen-Töpfertradition wiederzubeleben. Das Abendessen im Kreis der Familie war sehr lecker. Der Sohn hatte den Fisch an dem Tag zum Teil selbst gefangen bzw. von Kollegen erhalten. Auch der jeweils passende japanische Reiswein war köstlich. Die Unterhaltung war nur auf Japanisch, aber es ging natürlich auch um die Zeit, als Yamadas einen Sommer lang dabei halfen, in Cismar (bei Lübeck) einen echten Anagama (japanischen Brennofen) für Jan Kollwitz zu bauen. Der Sohn war damals noch Grundschüler. Ein wirklich schöner Abend!

Am nächsten Tag hatte ich ja noch frei und ich wollte mir die Ortschaft Takefu ein wenig anschauen, aber Frau Yamada ließ es sich nehmen, mit mir einen Ausflug zu machen. So hatte ich die Gelegenheit, noch mehr von dieser traumhaften Gegend zu sehen. Auf dem Rückweg brachte sie mich zum Bahnhof nach Fukui, der Hauptstadt der gleichnamigen Präfektur.

 

Und sonst? Anfang September hatte meine Teemeisterin wieder eine größere eigene Teezeremonie veranstaltet. Dieses Mal in den beiden Teehäusern im Goto-Museum. Es war sehr heiß (insbesondere im Kimono), aber sonst war es eine tolle Veranstaltung. In dem Koicha (dicken Tee)-Zimmer wurden das Kaltwassergefäß und eine Teeschale von Jan Kollwitz verwendet. (Sobald ich Bilder von der Veranstaltung habe, stelle ich sie noch ein .) Von meiner Aikidogruppe in Togoshi nahmen Ishibashi-sensei und sechs weitere Aikidoka als Gäste teil. Für fast alle war es zum ersten Mal.

Nun bereiten wir uns auf unser Aikido-Embukai (Vorführung) anlässlich des 20jährigen Jubiläums vor. Die Veranstaltung wird am 13. Oktober stattfinden. Dann werden meine Nichte, mein Neffe und deren Cousine sowie Bettina und ihr Sohn (erwarten wir für Dienstag) wieder abgereist sein.

Aikido Summer Camp & Nikko

Okay, die beiden Themen passen inhaltlich nicht wirklich zusammen, aber zeitlich folgten sie halt aufeinander.

Meine Nichte hatte ja im August ein Praktikum in Tokyo gemacht und nun machten wir an ihrem letzten Wochenende noch einen Tagesausflug nach Nikko. Mein letzter Besuch in Nikko liegt nun schon viele Jahre zurück und daher freute ich mich auch auf ein Wiedersehen. Etwas abschreckend ist die fast drei Stunden dauernde Anreise, aber es lohnt sich dann doch. Nikko liegt im Nordwesten Tokyos in den Bergen. Häufig ist es dort deutlich kälter als in Tokyo, aber an diesem Wochenende stiegen die Temperaturen auch in Nikko deutlich über 30 Grad. Das Schrein- und Tempelgelände ist glücklicherweise im Wald gelegen, so dass die Hitze erträglich war. Inzwischen sind die Renovierungsarbeiten am Toshogu-Schrein auch so weit fortgeschritten, dass man kaum noch beeinträchtigt wird. Die Farben sind wieder kräftig und so kommen alle Schnitzereien wieder besser zum Vorschein. Alles wirkte deutlich schöner als vor Jahren, wirklich beeindruckend. Ja, die schlafende Katze und die drei Affen haben wir auch gesehen. Nach dem Schreinbesuch sind wir vom westlichen Ausgang zum Fluss hinunter gegangen und hatten unserer Füße abgekühlt. Doch das Gebirgswasser ist so kalt, dass man es nicht lange aushalten kann. Die kleine Wanderung zu den Stromschnellen ist wirklich nett und war auch für mich das erste Mal.

Am vorhergehenden Wochenende fand das Aikido Summer Camp der Aikido-Gruppe in Togoshi um Ishibashi-sensei statt. Es ging wieder an einen Ort an der Westküste der Miura-Halbinsel (südwestlich von Tokyo und Yokohama, ca. 1,5 Stunden mit der Bahn). Vor Ort hatte es Yagi-sensei organisiert, denn er wohnt in der Nähe und hat den Kontakt zu einem Aikido-Meister dort. Wir nutzten die Budo-Trainingshalle der örtlichen weiterführenden Schule. Treffpunkt in Misakiguchi war am Samstag um 13:00 Uhr und dann ging es erst einmal zum Training – sehr heiß, denn solche Schulturnhallen sind natürlich nicht klimatisiert. Es gab aber zwei Ventilatoren und man konnte mehrere Türen öffnen. Trotzdem sehr heiß! Nach dem Training wurden wir dann zum Hotel gefahren. Ich teilte mir das Zimmer mit Sakai-san. Das Hotel liegt direkt am Meer und wird von vielen Wassersportlern (Tauchern und Stand-up-Paddlern) genutzt. Am Abend grillten wir gemeinsam, nicht nur Fleisch, auch Garnelen und Fisch (es gab auch reichlich Bier) –  später feierten wir dann weiter auf einem der Zimmer. Einige standen um 5:00 Uhr wieder auf, um zum lokalen Fischmarkt zu wandern und frischen Fisch zu frühstücken. Ich verzichtete, denn zum einen musste ich noch meine bereits abklingende Erkältung los werden und zum anderen war mir so früh nicht nach Fisch.  Um 10:00 Uhr begann dann die zweite Trainingseinheit – wieder sehr heiß und ein oder zwei Aikidoka waren noch nicht ganz so fit wie sonst. Die meisten machten auf dem Rückweg gleich nach einer Station einen Mittagsessens-Zwischenstopp an dem Küsten- und Strandort Miura-kaigan, denn die Gegend ist für den guten Thunfisch berühmt, den wir uns natürlich nicht entgehen lassen konnten. Wir kehrten also in ein Sushi-Restaurant ein.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Sommerhitze

Nicht nur in Europa stöhnt man über einen ungewöhnlich heißen Sommer, auch hier in Japan ist es sehr heiß. Verglichen mit Norddeutschland allerdings deutlich nasser, sobald ein Taifun hereinzieht. Doch eins nach dem anderen.

Im Juni nutzte ich die freie Zeit neben Aikido-Training und Teezeremonie vor allem zum Japanischlernen, denn am 1. Juli war wieder mal eine Prüfung. Mitte Juni nahm ich an einem speziellen Teezeremonie-Unterricht für neue Teelehrer teil. Ich muss 5 Jahre in Folge einmal im Jahr jeweils einen Tag an dem Zentralunterricht (jedes Jahr ein anderes Thema) teilnehmen. Dabei kann ich mir den Ort und den Termin aussuchen. Da der Termin in Tokyo im Juli war, fuhr ich also nach Shizuoka. Nicht so weit weg, aber ich musst früh aufstehen, denn es dauert immer etwas länger, einen Kimono anzuziehen. Ich nahm den Schnellzug nach Shizuoka. Während in Tokyo mehrere Hundert Personen teilnehmen, ist es in Shizuoka geradezu beschaulich (ca. 80 Teilnehmer). Es waren nur wenige Personen von außerhalb und ich natürlich die einzige Ausländerin. Es war eine sehr schöne Veranstaltung: tolles Hotel, netter Zentrallehrer aus Kyoto und auch ein leckeres Mittagessen insgesamt ein toller Tag. Den Kimono für den Frühsommer (d. h. Juni) kann ich zum Glück auch im September anziehen (dann allerdings mit einem anderen Unterkimono und einem anderen Gürtel). Die Regenzeit (normalerweise: Mitte Juni bis Mitte Juli) fing – wie fast alles in diesem Jahr – sehr früh an, war in Tokyo nicht so schlimm und wurde bereits Ende Juni für beendet erklärt. Dafür kamen denn gleich Taifune.

Im Juli war ich im Heimaturlaub in Deutschland. So verpasste ich einige sehr starke, Taifun-bedingte Regenfälle (in Westjapan mit schweren Schäden). Überhaupt scheint es in diesem Jahr mehr Taifune zu geben. Morgen soll sich auch wieder Tokyo nähern bzw. nach Tokyo kommen. Wir werden nass werden …

Die Sommer in Tokyo sind heiß und deutlich schwüler als in Deutschland. Da es nachts kaum abkühlt, wäre es ohne Klimaanlage unerträglich. Im Training schwitzen wir so sehr, dass die Trainingstaschen nach dem Training deutlich schwerer als zuvor. Nächste Woche ist im Honbu-Dojo eine Woche Trainingspause, aber dafür kann ich mich auf ein Trainingswochenende mit der Gruppe von Ishibashi-sensei freuen. Wir werden ans Meer fahren, vielleicht kann ich dann auch mal im Meer oder zumindest im Pool schwimmen.

Am letzten Samstag war ich mit meiner Nichte, die derzeit in Praktikum in Tokyo macht, und zig-tausend Japanern und anderen Ausländern beim Feuerwerk am Edogawa (ein Fluß im Osten Tokyos). Feuerwerke sind typische Sommerveranstaltungen und sie sind sehr beeindruckend, weil viel größer als in Deutschland, deutlich länger (mehr als eine Stunde) und wirklich sehr schön. Die Menschenmengen sind zwar unglaublich, aber in Japan funktioniert es halt, dass alle ohne Geschubse und ohne Pöbeleien langsam den Weg zum Bahnhof nehmen und in die Züge einsteigen.

Noh

Gab es im Mai nichts zu berichten? Doch und heute am verregneten Sonntag (erster Taifun im Anmarsch) habe ich endlich mal Zeit und Muße, etwas zu schreiben! Also, Petra und Bernd waren im Mai zu Besuch. Anfang Mai – d. h. in der Golden Week – besuchte ich einige Museen in Tokyo. Außerdem war ich Ende Mai zum ersten Mal im Noh-Theater. Dies hatte meine Tee-Lehrerin organisiert, denn sie geht häufiger ins Noh-Theater in Tokyo. Wir aber waren im Takeda-Schrein in Kofu in der Präfektur Yamanashi. Ich nutzte die Gelegenheit und fuhr schon morgens mit der Bahn nach Kofu, um mir diese Stadt anzuschauen. Sie ist umgeben von einer Vielzahl von Obstbäumen und natürlich Bergen, also sehr schön gelegen. Am Bahnhof war ein Wanderweg beschrieben, der zu mehreren Tempeln und Schreinen führt. Doch bevor ich mich auf den Weg machte, schaute ich mir die Reste der Burg an und besuchte einen Kunsthandwerkladen, die Inden-Taschen herstellen.  Die Tempel und Schreine waren nett und zumeist menschenleer, auf jeden Fall ohne Touristen. Im Takeda-Schrein war es schon etwas lebhafter. Meine Teelehrerin und zwei weitere Schüler kamen mit dem Auto aus Tokyo und in dem Tempelbereich, in dem das Noh-Theater aufgeführt werden sollte, konnten wir vor der Vorstellung noch an einem Noh-Workshop auf der Bühne teilnehmen und die traditionellen Trommeln ausprobieren, insbesondere die kleine Handtrommel, die an der Schulter gehalten wird, machte Spaß. Ich überlege nun, ob ich mir eine solche Trommel kaufe und Unterricht nehme.

Ansonsten? Neben Arbeit, Japanisch lernen (Prüfung am 1. Juli!) und Teezeremonie: Viel Aikido, doch jedes Mal, wenn ich drüber schreiben will, weiß ich nicht, was. Denn eigentlich ist es ja wie in Deutschland, aber vieles doch etwas anders. Das Training beim Doshu morgens war jetzt Ende Mai und Anfang Juni wieder brechend voll, weil ja Ende Mai wieder die große Aikido-Veranstaltung in der Budokan in Tokyo stattfand. Es ist die Veranstaltung, an der Udo im letzten Jahr teilgenommen hatte und durch die die Verbindung zu der Aikidogruppe in Togoshi hergestellt wurde. Also trainiere ich jetzt gut ein Jahr samstags bei Ishibashi-sensei in Togoshi. Es ist eine tolle Gruppe (kann Andi bestätigen). Zwei Stunden wird intensiv trainiert, dann schnell geduscht und danach noch gut drei Stunden in der Izakaya (japanisches Kneipenrestaurant) gegessen und getrunken. Obwohl bei Ishibashi-sensei schon ein sehr körperbetontes Aikido trainiert wird und die Mitglieder auch nicht zimperlich sind und realistisch angreifen, wird doch sehr darauf geachtet, ohne Kraft und viel mit dem Zentrum zu arbeiten. Im ganzen Frühjahr haben wir relativ viel Schwert gemacht, weil der mit Matten ausgelegte Teil der Halle häufig belegt war. Dies bedeutet aber nicht, dass wir nicht rollen. Die Standard-Uke vom Sensei müssen schon einiges aushalten. Auch ich bringe dann immer einige blaue Flecken mit nach Hause.

 

 

 

 

Darf ich vorstellen? Dr. Yellow

Fast hätte ich vergessen, davon zu berichten: Im Februar sahen wir vom Büro aus den gelben Sonderzug von Japan Rail West. Er heißt Dr. Yellow, ist ein richtiger Shinkansen, aber vollgestopft mit Messgeräten und Computern. Er kann wohl in Echtzeit die Strecken analysieren. Da es nur diesen einen gibt und man ihn selten sieht, kennt fast jeder Dr. Yellow und es ist ein Zeichen des Glücks, wenn man ihn sieht. Also, wir hatten doppelt Glück, denn wir sahen ihn in den Bahnhof Tokyo einfahren, als wir gerade in die Mittagspause gehen wollten. Dann mussten wir natürlich warten, bis er kurz darauf wieder hinausfuhr:

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In diesem Jahr hatte ich nicht viel von der Kirschblütenzeit, denn Ende März und Anfang April hatten wir zwei Vorstandsbesuche und entsprechend im Stress. Auch unser Osterbrunch musste ausfallen. So habe ich nur ein Nachtfoto in Tokyo machen können und dann nach der Teezeremonie-Veranstaltung in Omiya. Dort nahm ich auch erstmals an einem „Kencha“ teil, das ist eine Zeremonie in dem Schrein, quasi eine Art Gottesdienst, den die Priester ausführen.

 

Kyoto – immer eine Reise wert

Nun geht der März schon langsam zu Ende – Zeit, dass ich endlich mal wieder etwas schreibe. Ende Februar erfreuten mich bereits die Pflaumenblüten im Hanegi-Koen und ich besuchte das Färberfest in der Nähe von Shinjuku.

Auch der Anfang des Monats März war noch ziemlich kalt, aber dann ging es für mich auch schon nach Kyoto. Ich verlängerte eine Dienstreise um 2 1/2 Tage und es war einfach herrlich.

Ich besuchte mehrere Ausstellungen und Museen, aber das absolute Highlight war das Raku-Museum. Raku-Töpferwaren sind seit der Zeit von Sen-no-rikyu hoch geschätzt. Ich hatte das Glück, kurz den aktuellen Meister Raku zu treffen. Ein Bekannter, der mit Herrn Raku befreundet ist, hatte das Treffen arrangiert. Ich war also am Sonntag pünktlich zur Öffnung des Museums vor Ort und die Dame von der Rezeption holte Herrn Raku. Ein feiner Mensch, der in seiner einfachen, traditionellen Arbeitskleidung erschien. Da er kein Englisch, sondern nur Italienisch als Fremdsprache beherrscht, sprachen wir Japanisch (auf meiner Seite leider immer noch begrenzt). Anschließend besuchte ich noch das wunderbare Museum mit sehr schönen Teeschalen und anderen Werken von ihm und seinen Vorgängern (mit ausgezeichneten, ausführlichen Beschreibungen auch auf Englisch). Im nächsten Jahr wird er wohl an seinen Sohn übergeben …

Mittags konnte ich die aufgefeilte Kyoto-Küche genießen. Als ich anschließend durch den japanischen Garten ging, sprach mich eine Dame im Kimono an und fragte, ob ich an einer Teezeremonie teilnehmen möchte. Eine Teeschule hatte eine Teezeremonie-Veranstaltung in einem der Teehäuser im Garten. Ich konnte an dem letzten Durchgang teilnehmen (Stilrichtung Ura-senke); die Teemeisterin und ihre Schülerinnen waren erstaunt und ziemlich begeistert, dass ich teilnahm. Auf dem Rückweg machte ich noch einen kurzen Zwischenstopp im Fushimi-Inari-Schrein (der Schrein mit den vielen roten Tori).

 

Da es im Winter in Kyoto etwas kälter ist als in Tokyo hatte ich das Glück, in Kyoto nochmals die Pflaumenblüte anschauen zu können, natürlich deutlich prächtiger als im kleinen Hanegi-Park. Hier am Jounangu im Süden von Kyoto.