Japan versinkt im Schnee und in Tokyo blühen die Pflaumen

Das zwar kalte, aber sehr sonnige Wetter in Tokyo hat sich den ganzen Monat gehalten. Es war mal ein Kälterekord für Tokyo angesagt worden (mit – 3 Grad Celsius), aber dann war es doch wärmer. Ganz anders in vielen Teilen Japans! Der ganze Norden und die Westküste wurden regelgerecht eingeschneit. Mal schauen, ob wir im Februar doch noch Schnee in Tokyo bekommen. Die Tage werden jetzt schon wieder etwas länger, aber im Februar bleibt es in der Regel – mit wenigen Tagen als Ausnahme – noch kalt. Um so überraschender ist für unsereins, dass draußen recht viele Blüten zu sehen sind – sei es in Hecken oder an geschützten Stellen. Die Tage sind zwar noch kurz, aber wenn die Sonne erst einmal da ist, dann muss man sich gleich eine Lage Kleidung oder zumindest den Schal abnehmen.

Wirklich traumhaft ist die nun beginnende Pflaumenblüte! Die Laubbäume sind alle noch kahl, die Luft winterlich klar und dann sind da diese Blüten – weiß, zartrosa bis hin zu einem dunkel-kräftigen rosé. Am Samstag hatte ich schon einen ersten Eindruck davon. In Higashi-matsubara (dort lebt und unterrichtet meine Teelehrerin) befindet sich der Hanegi-Park, der für die Pflaumenblüte bekannt ist und in dem im Februar auch ein Pflaumenblütenfest veranstaltet wird. Meine Teelehrerin hatte für diesen Samstag eines der Teezimmer in einem recht großen Teezeremonie-Teehaus gemietet und so fand unserer Unterricht dort statt. Wir waren in einem Zimmer im Daime-Stil und folglich galt es bei der Zubereitung einige Sonderregeln zu beachten. Es war wieder sehr guter Unterricht. Ich habe viel gelernt (wie auch in den Wochen zuvor). Übrigens habe ich inzwischen meine Lehrerlaubnis erhalten und mir wegen der anstehenden Yobanashi (Teezeremonie-Veranstaltung am Abend) Ende Februar noch einen Kimono gekauft. Denn zur Yobanashi trägt man einen hellen Kimono. Ich konnte zu einem guten Preis einen Kimono plus Obi bei meinem Kimono-Laden kaufen. Nun warte ich darauf, dass er fertig wird.

 

Alles Gute für 2017!

Da ich es ja nicht geschafft hatte, allen ein schönes Weihnachtsfest zu wünschen, nun zumindest an dieser Stelle meine besten Wünsche für das Neue Jahr!

Mein Bericht zum Neujahrsfest in Japan (auch für mich das erste Neujahrsfest hier) folgt in Kürze – ist da, siehe unten.

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Das Neujahrsfest in Japan ist das wichtigste Fest und ähnelt in mancher Hinsicht unserem Weihnachtsfest. Schon Tage vorher sieht man überall traditionellen Neujahrsschmuck und alle sind etwas gestresst wegen der Vorbereitungen bzw. der bevorstehenden Reise zur Familie. Viele Firmen sind geschlossen, selbst in den Behörden war ab Donnerstag nur noch eine Notbesetzung anwesend. Am Freitag war es in unserem Bürohochhaus gespenstisch ruhig. Da ich noch dringend einen Urlaubstag nehmen musste, war ich am Donnerstag nach meinem Japanisch-Unterricht nach Hause gefahren. Ich hatte außer Einkäufen etc. nichts weiter vor, also hatte ich Krapfen (mit Aprikosenmarmelade gefüllte Kreppel/Berliner) gebacken. Es klappte relativ gut und so gab es dann am Freitag Nachmittag noch für alle im Büro Krapfen und Sekt – ein ziemlich deutscher Ausklang des Arbeitsjahres.

Meine direkten Nachbarn hatten mich für den 31. Dezember zum Abendessen eingeladen. Es war ein netter Abend im Kreise der dreiköpfigen, indischen Familien. Die Tochter steht kurz vor dem Schulabschluss und sie hat sich bei mehreren Universitäten in Amerika beworben. Da sie großes Interesse an Kimonos hat, hatte ich ihr am Neujahrstag gezeigt, was alles zu einem Kimono dazu gehört und wie man ihn anzieht. Ich hatte ihr auch einen meiner Kimonos angezogen.

Das Neujahrsfest ist ein Fest der Familie und eher ruhig, d.h. es gibt ein Familienessen mit besonderen Speisen, von denen viele symbolische Bedeutungen haben. Meist schaut man gemeinsam die große Fernsehshow an und geht dann zu Mittagnacht zu einem Schrein. Das sogenannte Hatsumode, also die Schreinbesuche zu Neujahr finden während der gesamten Neujahrsfeiertage statt. An den Schreinen bilden sich lange Schlangen, die Leute trinken Sake und manchmal – wie z. B. beim Nezu-Schrein, den ich am 2. Januar besuchte – findet auf dem Schreingelände ein Flohmarkt statt.

 

Am 1. Januar ist es – vom Hatsumode abgesehen – sehr ruhig, denn nahezu alle Geschäfte haben geschlossen. Viele Geschäfte öffnen auch erst wieder ab dem 4. Januar oder zum folgenden Wochenende. Als wir am 4. Januar wieder ins Büro gingen, war es noch sehr ruhig im Finanzdistrikt – die Büros füllen sich erst langsam wieder.

In diesem Jahr hatten wir ausgesprochenes Glück mit dem Wetter, denn es war tagsüber stets sehr sonnig. Die Tage sind kurz, es ist kühl (im Schatten sogar kalt), aber in der Sonne schön warm und ich habe es sehr genossen. Und so hatte ich den Nezu-Schrein (liegt nicht weit von Ueno entfernt) mit dem Fahrrad besucht. Dies gab mir die Gelegenheit, mir mal wieder neue, von Shibuya etwas entferntere Gegenden zu erkunden. Zudem hatte ich Glück auf dem Flohmarkt, denn ich erwarb einen schönen Teelöffel (schwarz gelackte Rückseite mit einem Kiefernnadelmuster – gerade richtig für diese Jahreszeit).

Nachträge

Zwei Monate lang nichts im Blog geschrieben – gab es nichts zu berichten?

Doch – hier nun die Nachträge zu den Monaten November und Dezember:

Ende Oktober war Marlene abgereist, aber das heißt nicht, dass es bei mir leerer wurde. Am folgenden Wochenende übernachtete eine Freundin von Masumi bei mir, die aus Hokkaido (nördlichste der vier Hauptinseln) stammt und ein Wochenende in Tokyo verbrachte. Da am ersten Novemberwochenende überraschend viel Schnee auf Hokkaido fiel, hatte sie am Sonntag Abend Probleme mit dem Rückflug. Ich war an dem Sonntag mit der Gruppe der Museumsliebhaber (organisiert von Maruyama-san) nachmittags zum Besuch einer Shodo-Ausstellung im Goto-Museum verabredet. Vorab besuchte ich den Nachbarort Todoroki. Dort gibt es einen hübschen Wanderweg entlang eines Flusses zu einem Tempel. Von dort aus war es dann auch nicht weit bis zum Goto-Museum.

Im Museum erhielten wir als erstes einen Vortrag des Kurators der Ausstellung und dann schauten wir durch die Ausstellung an. Ich konnte einiges über die Entstehung der Silbenschrift Hiragana lernen und die ausgestellten Werke waren wirklich schön. Da Maruyama-san selbst Shodo-Künstler ist, konnte er nebenbei noch viel erklären. (Wie in Japan üblich sind alle weiterführenden Erläuterungen in den Museen und Ausstellungen nur auf Japanisch.) Das Goto-Museum ist in einem großen Park mit Teehäusern, Wasserfällen und verschlungenen Pfaden gelegen. Schade, dass es um diese Jahreszeit schon so früh dunkel wird und sobald die Sonne verschwindet, wurde es auch schon unangenehm kühl.

Am Mittwoch danach kamen dann Christine und Sabine zu Besuch. Darauf hatte ich mich schon lange gefreut und es war wirklich nett, dass sie ihre  Rundreise durch Japan bis zum darauffolgenden Wochenende verlängerten. Am Sonntag machten wir einen schönen Ausflug nach Kamakura. Da sie ja schon im Rahmen der Rundreise den großen Buddha und eine Tempelanlage besucht hatten, stiegen wir bei schönen Wetter in Nord-Kamakura aus und machten eine kleine Wanderung durch die Hügel, die Kamakura auf der Landseite umgeben. Als Zentralbanker mussten wir natürlich den Geldwäsche-Schrein (Zeniaraibenten Ugafuku-jinja) besuchen. Wir gingen dann durch die Stadt (mit kleineren Stopps in Geschäften) zu der Tempelanlage, die für ihren Bambus berühmt ist (Hokokuji). Auf dem Rückweg ins Stadtzentrum aßen wir etwas verspätet in einem italienischen Restaurant zu Mittag – klein, aber mit japanischer Liebe für Speisen wurden gute Gerichte serviert. Wir besuchten natürlich noch den Hauptschrein (Tsurugaoka Hachimangu) und gingen durch die Haupteinkaufsstraße zurück Richtung Bahnhof. Es war ein schöner Ausflug.

Christine und Sabine flogen dann am Montag zurück nach Deutschland. Ich folgte nach dem Empfang des Bundespräsidenten an der Botschaft am Dienstag mit dem Nachtflug nach Frankfurt. Von dort flog ich weiter nach Hamburg und der Flughafenbus brachte mich nach Neumünster. Ich verbrachte ein paar Tage dort und vermisste sehr bald das sonnige Wetter in Japan. Doch das Familientreffen als Brunch war sehr schön. In der Folgewoche ging es dann für die Führungskonferenz der Bundesbank wieder nach Frankfurt; Rückflug nach Japan (nach einigen Einkäufen) war dann am Samstag. Danach war ich ja nur knapp zwei Wochen (d. h. nur ein Wochenende) in Japan. Neben vielen dienstlichen Terminen war die erste Woche mit den Vorbereitungen für meine Adventsfeier geprägt. Es kamen die Kollegen mit ihren Familien, unsere ehemalige Sekretärin und unsere beiden Japanischlehrer. Es gab Stollen und Weihnachtsgebäck, Glühwein sowie Würstchen mit Kartoffelsalat, einen großen frischen Salat, Käse und Matcha-Eis. Es war ein schöner Nachmittag und Abend. Wir hatten viel gelacht.

Es war also schon Dezember und am 9.12. flog ich wieder nach Frankfurt. Am Montag begann die „Ausländerwoche“ mit vielen Vorträgen und bilateralen Terminen sowie dem Weihnachtsessen auf Einladung des Präsidenten, neben dem ich am Tisch saß. In der Woche war ich jeden  Am Samstag ging es dann noch mit einem tollen Zwischenstopp in Hannover gen Norden. Frau Benneckenstein zeigte mir die Weihnachtsmärkte und ich war schwer beeindruckt.

Kurz vor meinem Abflug erhielt ich noch von meiner Teelehrerin die Fotos von unserer großen Teezeremonie-Veranstaltung Mitte Oktober. Hier nun – weil  ich es versprochen hatte – ein Foto von mir in meinem neuen Kimono.

 

 

Oktober: Tee, Tee, Tee

Für den 16. Oktober war die Teezeremonie-Veranstaltung unserer Teeschule geplant. Folglich waren wir seit meiner Rückkehr aus dem Urlaub in jeder Unterrichtsstunde fleißig am Üben. So nach und nach wurde klar, wer welche Rolle übernehmen wird etc. Ich übte vor allem mit Tomoko zusammen, denn wir beide sollten dicken Tee zubereiten und Hilfsperson (Hanto-san) für die Teezeremonie in dem Raum sein, in dem dicken Tee zubereitet wird. Zusammen mit einer anderen Teeschülerin suchte ich die Süßigkeiten aus (Aki no Irokusa – Farbe von herbstlichen Kräutern) bei einem der traditionellsten Okashi-Läden in Tokyo (Kikuya in Aoyama). Tomoko musste den sehr hochwertigen Tee in Kyoto bestellen (Kinjo no mukashi vom Ryuo-en). Beim Üben merkten wir, wie schwierig die Rolle der Hilfsperson ist, insbesondere hinsichtlich des Timings und der angemessenen Reaktionen auf das Verhalten der Gäste.

Doch bevor unsere Teezeremonie stattfand, nahm ich erst einmal an der Teezeremonie-Veranstaltung von acht Teezeremonie-Schulen teil, die Sencha-temae machen (also mit Teeblättern, die aufgebrüht werden). Mein Arbeitskollege, dessen Freundin diese Form der Teezeremonie lernt, und ich waren am ersten Sonntag im Oktober bei dieser großen Veranstaltung im Shin-Takanawa Prince Hotel in Shinagawa. Wir waren die einzigen Ausländer und erhielten viel positive Aufmerksamkeit. Auch ich war das erste Mal bei einer solcher Veranstaltung, aber wir haben keine Fehler bei den drei Teezeremonien gemacht, die wir anschauen konnten. Alle waren sehr freundlich – ich hatte meinen grünen Kimono angezogen, aber dem Kollegen wurden stets Stühle bzw. kleine Bänkchen angeboten, um ihm das Knien zu erleichtern. Es war eine sehr schöne Veranstaltung – die Zubereitungsarten waren alle unterschiedlich, schön anzuschauen, die Süßigkeiten und die gereichten Tees sehr lecker! Es gab mir die Gelegenheit, die Räumlichkeiten und den japanischen Garten des Hotels kennenzulernen.

Zwei Woche später ging es dann bei uns los. Inzwischen war mein neuer Kimono fertig und ich übte immer mal wieder das Anziehen – ca. 45 Minuten musste ich einrechnen. Am Samstag vor der Veranstaltung halfen einige Schülerinnen und Schüler unserer Teelehrerin Frau Murano beim Auspacken der Gerätschaften und beim Erstellen der Blumengestecke. Murano-sensei hatte ihr großen Auto voll mit Teegerätschaften. Der Vorbereitungsaufwand war für sie enorm: Einladungen versenden, Mittagessen bestellen, die Teeschüler organisieren, alle Gerätschaften auswählen, die Erläuterungen für die Gerätschaften schreiben, alles einpacken etc. – unglaublich!

Eine Woche später war ich dann noch gemeinsam mit meiner Teelehrerin bei der Teezeremonie-Veranstaltung einer ihr befreundeten Teelehrerin. Da die Veranstaltung in der Nähe des Nezu-Schreins stattfand, sind wir anschließend noch zu dem Schrein gegangen. Die Atmosphäre hat mir sehr gut gefallen. Vielleicht sollte ich zukünftige Gäste eher zum Nezu-Schrein als zum Meiji-Jingu führen, denn letzterer wir ja renoviert und dadurch wirkt er mit den vielen ausländischen Touristen in letzter Zeit etwas überlaufen. (Mal schauen, wenn Christine und Sabine in den nächsten Tagen zu Besuch kommen, wird es sich ggf. ergeben.) Na ja, an dem Sonntag sind wir dann noch zur Ginza gefahren. Dort hat mir meine Teelehrerin dann noch einen Laden gezeigt, der sich auf Taschen und Regen- und Sonnenschirme zum Kimono spezialisiert hat. Übrigens waren wir ja im Kimono unterwegs und fielen schon etwas auf. Mittags waren wir in einem kleinen Lokal und hatten uns gut unterhalten. Es war mal wieder ein schöner Sonntag.

 

 

 

 

Nachtrag zum September

Im September hatte ich nicht nur Ausflüge gemacht, sondern war auch auf einigen Veranstaltungen. Darunter waren Vorträge zum Komoran-Fischen und Noh-Theater sowie ein Jazzkonzert der Big Band des Ostseegymnasiums aus Timmerndorfer Strand mit Special Guest Nils Landgren und dem japanischen New Orange Swing Orchestra der Hosei Universität. Erst war ich skeptisch und stellte mir ein etwas besseres Schulkonzert vor, aber nein, es war genial – beide Bands überzeugten und der Posaunist Nils Landgren verstand es die Zuhörer in seinen Bann zu ziehen.

Der Noh-Vortrag beinhaltete auch eine kleine Kostprobe des Noh-Meisters Matsuki Chitoshi. Obwohl man nichts versteht und es ja nun ein kleiner Auszug war, wirkte es so überzeugend, unglaublich! Wir durften dann auch mal die Masken anprobieren. Während bei den Frauenmasken unsere westlichen Nasen störten, klappte es ganz gut mit den Männermasken. Ich probierte den Geist eines Samurai aus, passte.

Außerdem wurde ein Jubiläum gefeiert: Die Bahnhofspartnerschaft zwischen dem Bahnhof Tokyo und dem Bahnhof Frankfurt. Diese Partnerschaft besteht zwar erst seit einem Jahr, aber der Frankfurter Schwesterbahnhof zog auch die deutsche Flagge auf und unser Büro nutzte dieses Event für ein Nominication (japanische Kunstwort aus den Wörtern Nomu und Communication).

So und nun noch die Entschuldigung für diesen späten Nachtrag: Feier mit den Stipendiaten bei mir am 1. Oktober, Besuch von Petra und Claus und ganz viele Vorbereitungen für unsere Teezeremonie. In Kürze gibt es daher einen Beitrag mit dem Schwerpunkt Teezeremonie.

Ausflüge zur Taifunzeit – mitten in einer Giraffenherde

Im September gibt es zwei nahe beieinander liegende Feiertage, wenn dadurch – wie im letzten Jahr – eine Woche mit drei Brückentagen entsteht, wird diese Woche in Anlehnung an die Feiertagswoche Anfang Mai (Golden Week) dann Silver Week genannt. Okay, in diesem Jahr waren der Montag und Donnerstag frei. Da ich samstags mit Teezeremonie-Übung und Aikido immer gut beschäftigt bin und ich am Mittwoch wegen der Entscheidung der Bank of Japan im Büro sein wollte, nahm ich mir den Dienstag frei. So hatte ich drei aufeinanderfolgende freie Tage und konnte den Tokyo Wide Pass von Japan Rail ausnutzen. Mit diesem Regionalpass können Ausländer (nicht nur Touristen) für 10.000 Yen drei Tage lang alle Züge in der Region Kanto benutzen. Leider zog in dieser Zeit von Südwesten kommend Taifun Nr. 16 in unsere Richtung. Es war ein starker Taifun, der sich relativ langsam bewegte und somit entsprechend viel Regen brachte. Doch Regen kann mich nicht vom Reisen abhalten, ganz im Gegenteil.

Das Ziel am Sonntag war die in Ibaraki gelegenen Stadt Kasama, Ich schaute mir das Keramikmuseum der Region Ibaraki an und diverse Galerien, denn aufgrund des Regens musste ich immer mal wieder Zuflucht suchen. Am Nachmittag besuchte ich dann noch den Kasama Inari Schrein, der in einem netten Viertel mit alten Handelshäusern liegt. Insgesamt hat es mir so gut gefallen, dass ich auf jeden Fall bei besserem Wetter nochmals wiederkommen muss. Auf dem Rückweg machte ich noch einen kurzen Zwischenstopp in Yuuki, um mir dort eine Seidenweberei anzuschauen.

Am Montag regnete es in Tokyo, aber ich hatte mit einer weiteren Reise gen Nordosten Glück. In Mito gibt es einen der schönsten Landschaftsgärten in Japan, den Kairaku-en. Auch hier muss ich nochmals zur Pflaumenblüte hinfahren! Das im Garten gelegene Haus Kobuntei wurde von Lord Nariaki Tokugawa (1800 – 1860) zur Pflege der schönen Künste erbaut – tolle Malereien, faszinierende Details und wunderschöne Aussichten. Dieser Lord hat in der Stadt Mito 1841 die erste weiterführende Schule/Universität eröffnet, in der traditionelles und modernes Wissen ebenso wie die Kampfkünste und Musik vermittelt wurden.

Für den Dienstag war dann in ganz Kanto Regen angekündigt. Da der Taifun im Laufe des Tages im Süden von Kanto vorbeiziehen sollte, stellte ich meine Pläne etwas um und fuhr so weit als möglich mit dem  Zug nach Nordosten. Der mit dem JR Tokyo Wide Pass noch erreichbare Ort heißt Otsuko. Dort gibt es ein großes, sehr modernes Kunstmuseum (Tenshin Memorial Museum of Art), so dass ich auch ein konkretes Ziel hatte. Die Ausstellung fand ich nur mäßig interessant, aber die Lage des Museums – oben auf den Klippen mit weitem Blick (sofern der Regen mal nachließ) aufs Meer und die umliegende Küste – ist einfach toll. Vom Museumsrestaurant aus konnte ich den Blick genießen. Auf dem Weg zum Museum (ca. 2 km) fing es erst beim letzten Viertel an zu regnen. Als Rückweg wählte ich den langen Weg durch den direkt am Fischerei-Hafen gelegenen Ortsteil. Da begann der Regen schon nach kurzer Zeit und es wurde ziemlich heftig. Da ich am Bahnhof noch bis zur Abfahrt des Zuges noch Zeit hatte, konnte ich mich in einem kleinen Café bei einer Tasse Wiener Kaffee noch etwas trocknen. Es ist ja zum Glück nicht kalt gewesen. Als ich gegen 19:00 Uhr wieder zurück in Tokyo war, regnete es gerade heftig, so dass der Weg vom Bahnhof Shibuya bis zur Wohnung ausreichte, um wieder nasse Hosen und Schuhe zu haben.

Regen in Japan, insbesondere zur Regenzeit im Frühsommer und jetzt zur (noch) Taifunzeit, ist einfach nasser als Regen in Deutschland. Man muss davon ausgehen, dass trotz Regenschirms ohne und bei nur leichtem Wind die Hosenbeine bis auf Kniehöhe nass werden. Sobald der Wind etwas stärker wird, werden auch die Oberschenkel nass. (Schuhe sowieso – daher hat es sich schon mehrfach ausgezahlt, dass ich mir letzten Dezember in Deutschland noch Gummistiefel gekauft hatte.) Trotzdem reise ich bei dem Wetter gerne (auch ohne Gummistiefel). Wenn man im Zug aus dem Fenster schaut, sieht man in der Stadt noch vor allem die regennassen Straßen. Auf dem Land dann saftiges Grün, glänzende Dachpfannen in unterschiedlichen Farben, spiegelnde Pfützen – der Himmer ist eher weiß als grau, wie in einer einzigen großen Wolke. Das ganze Land schaut aus wie ein fetter nasser Schwamm. Sobald man den Schwamm drückt oder darauf tritt, wird man halt nass. Shigata ga nai (da kann man nichts machen)!

Ach, nun hätte ich die Giraffen fast vergessen. Das war übrigens am Montag in Mito auf dem Weg zum Kairaku-en.

 

Lärm!

So, selbst der schönste Urlaub muss einmal zu Ende gehen. Es war nett, dass ich so viele von euch treffen konnte.  Nun bin ich bereits wieder einige Tage zurück in Tokyo und damit mal wieder Zeit für mein Blog. Beim Verlassen des Flugzeugs ist die schwüle Hitze wie eine Wand (selbst abends kühlte es nicht unter 30 Grad ab). Dann fiel mir noch der Lärm auf. Klar, auf der Kreuzung in Shibuya ist es wegen der vielen Bildschirme laut, auch die insbesondere bei den rechtsradikalen Parteien so beliebten, auf Autos montierten Lautsprecheranlagen nerven in einigen Gegenden in Tokyo, aber in der unmittelbaren Umgebung meiner Wohnung? Ja, die Zikaden sind nicht nur riesig, sondern sie machen auch einen Lärm, bei dem alle Vogelstimmen untergehen. Inzwischen habe ich mich wieder daran gewöhnt, so hört sich der Sommer in Japan an.

 

Die erste Zeit hier war vor allem durch die Teezeremonie geprägt, denn an meinem Ankunftstag bekam ich bereits Besuch von Frau Toribuchi und wir gingen am Sonntag Vormittag gleich zu meiner Teelehrerin zum Unterricht, am Nachmittag übten wir dann noch in meinem Teezimmer. Außerdem haben die Vorbereitungen für die Teezeremonie-Veranstaltung Mitte Oktober begonnen. Wir werden in den ‚Shumei‘ genannten Räumen im japanischen Stil (mehrere Teezimmer) im Grand Prince Hotel New Takanawa eine Teezeremonie veranstalten (ca. 40 Gäste). Diese Räumlichkeiten durfte ich mit meiner Teelehrerin und zweien ihrer fortgeschrittenen Schülerinnen besuchen. Sehr schön! Gut, dass ich den kleinen Raum, in dem ich Koicha (dicken Tee) zubereiten soll, vorher einmal gesehen habe, denn alle Räume sind anders. Auch dieser ist speziell, denn die Gäste sitzen genau in der anderen Reihenfolge – das wird für die Hanto (Hilfsperson) nicht einfach werden.

Für diese Veranstaltung brauche ich natürlich auch einen geeigneten Kimono. Meine Teelehrerin hatte es erst nicht geglaubt, aber wegen meiner langen Arme kann ich keinen fertigen Kimono kaufen. Sie war am letzten Samstag nach dem Unterricht mit mir bei einem ihr befreundeten Kimono-Geschäft. Dort haben wir den Stoff für den Kimono (einfarbig, bordeaux) und den Obi ausgewählt. Übers Wochenende musste ich mir ein (Familien-)Wappen, ein Kamon, aussuchen, das noch in den Stoff eingefärbt werden muss, bevor der Kimono genäht wird. Alles sehr spannend. Nun muss ich wieder üben, Kimono anzuziehen und noch lernen, wie der Obi in der Nijudaiko-Form gebunden wird.